31.12.2020 12:30 |

„Ärzte ohne Grenzen“

Die dreifache Bedrohung!

Während Europa „nur“ mit Corona zu kämpfen hat, kommt Covid-19 in Eswatini jetzt noch zu HIV- und Tuberkulose-Epidemien dazu.

Kaum vorstellbar für uns: Ein Drittel aller Erwachsenen in Eswatini, dem ehemaligen Swasiland im südlichen Afrika, sind HIV-positiv, davon haben etwa 70 Prozent auch Tuberkulose. Nun muss das Land auch gegen Corona ankämpfen. Laut Studien in Südafrika haben Tuberkulose-Patienten eine zweifach erhöhte Sterblichkeit, auch an Corona zu sterben, berichtet der langjährige Einsatzleiter von „Ärzte ohne Grenzen“, Bernhard Kerschberger aus der Steiermark.

Überlastung wegen Corona
Krankenhaus-Dichte und medizinische Versorgung sind in Eswatini im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern zwar bessergestellt, allerdings wurden auch hier während der ersten Corona-Welle die Kapazitätsgrenzen erreicht. In den ländlichen Regionen sind Gesundheitszentren oft nur mit stundenlangen Märschen zu erreichen.

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Der Job „ist nicht immer einfach. Aber es gibt auch so viele Lichtblicke, das gibt Kraft."

Bernhard Kerschberger, „Ärzte ohne Grenzen“-Einsatzleiter

Neue Behandlungen
„Ärzte ohne Grenzen“ setzt nun auf neue Behandlungsansätze. Dazu zählt auch eine videoüberwachte Therapie in heimischer Umgebung, etwa für Tuberkulose-Patienten. In Gebieten, wo eine entsprechende Netzabdeckung gegeben ist, erhalten erkrankte Menschen ein Telefon von den Helfern: „Damit machen die Patienten ein Video von ihrer täglichen Medikamenteneinnahme“, erklärt Kerschberger. So sehen die Helfer gleich, ob und wie die Therapie erfolgt ist, bekommen einen aktuellen Eindruck vom Zustand des Patienten und können im Bedarfsfall weiteres in die Wege leiten. Derzeit werden etwa die Hälfte der Patienten so behandelt. So kann auch die Eigenverantwortung gesteigert und zugleich das Problem der Stigmatisierung gemindert werden.

Dabei hat sich etwa bezüglich HIV/Aids viel getan: Kam eine Infektion vor etwa zehn, 15 Jahren noch einem Todesurteil gleich, konnte die Zahl der Neuinfektionen in den letzten fünf Jahren deutlich gesenkt werden. Ob das so bleibt, wenn nun alle Mittel in die Corona-Bekämpfung fließen müssen? Zu hoffen ist es.

Hier können Sie helfen
Ärzte ohne Grenzen ist weltweit tätig. Die Organisation ist neutral, unparteiisch, unabhängig - und deshalb angewiesen auf Spenden.

Infos: www.aerzte-ohne-grenzen.at, Spendenkonto Erste Bank, IBAN: AT43 2011 1289 2684 7600, BIC: GIBAATWWXXX

Silvia Schober, Kronen Zeitung

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