Krankhaft „schön“

Wenn Hunde durch ihr Aussehen Qualen leiden

„Vigo“ ist im Dezember ein Jahr alt geworden. Ohne seine Menschen wäre die Französische Bulldogge vermutlich längst gestorben. Konstante Atemnot, regelmäßiges Erbrechen nach dem Essen, schwere Erstickungsanfälle: Während andere Junghunde unbekümmert die Welt entdecken, war „Vigos“ erstes Lebensjahr von Leid und Todesangst beherrscht. Leider kein Einzelfall: Obwohl verboten, gibt es in Österreich Züchter, die sogenannte Qualzüchtungen vornehmen.

Qualzucht bedeutet, dass Tiere vermehrt werden, deren Rassemerkmale so ausgeprägt sind, dass dies gesundheitliche Folgen hat. Auch „Vigo“ stammt aus einer inländischen Zucht. Um solchen tierquälerischen Machenschaften einen Riegel vorzusetzen, fordern Tierschützer jetzt ein Ampelsystem zur Bewertung von Qualzucht. Der kleine Mops mit dem platten Schnauzerl, die Englische Bulldogge mit den knautschigen Falten, der Mini-Chihuahua mit den großen Kulleraugen – sie alle teilen dasselbe Schicksal: Für ihre besondere Optik zahlen sie einen hohen Preis.

Das Problem: Derzeit gibt es zwar ein Qualzucht-Verbot im österreichischen Tierschutzgesetz. Die genauen Vorgaben, ab wann eine Nase zu platt, Hautfalten zu tief oder Beine zu krumm sind, fehlen jedoch.

„Das ist so als würde schnelles Fahren mit dem Auto per Gesetz verboten sein, aber nirgendwo steht, ab wie vielen Kilometern pro Stunde man zu schnell unterwegs ist“, erklärt die Wiener Tierschutzombudsfrau Eva Persy. „Es kann nicht sein, dass jedes Jahr vor unseren Augen etliche Tiere leiden, um einem zweifelhaften Schönheitsideal zu entsprechen - und niemand tut etwas, weil es keine klaren Grenzwerte gibt“, so Persy.

Entenfellner: „Wir klären unermüdlich auf!“
Auch bei der „Krone Tierecke" ist das Problem seit vielen Jahren bekannt, denn Maggie Entenfellner und ihr Team helfen finanziell aus, wenn so mancher Halter die Tierarztkosten nicht mehr stemmen kann. „Um das Problem zu bekämpfen, klären wir unermüdlich über verantwortungsbewussten Welpenkauf auf und ziehen auch die Besitzer zur Verantwortung, indem wir keine Gelder zur Verfügung stellen, wenn das Tier von der sogenannen Welpenmafia stammt oder Qualzuchtmerkmale zu behandeln sind. Sonst lernt es die breite Masse nie. Dennoch muss die gesetzliche Regelung endlich präzise formuliert werden", so Entenfellner.

Niederländisches Ampelmodell als Lösung?
Die Lösung könnte das niederländische Modell sein: Ein von der Universität Utrecht entwickeltes Ampelsystem für kurzschnäuzige Rassen bietet einen praktikablen Weg, um das Qualzuchtverbot bundeseinheitlich vollziehen zu können. Hierbei werden die Hunde nach ihrer Schnauzenlänge beurteilt.

In die rote Kategorie fallen Hunde, deren Schnauze kürzer als ein Drittel des Schädels ist – die Zucht mit diesen Tieren ist verboten. Als orange eingeordnet werden Hunde mit einer Fanglänge zwischen einem Drittel und der Hälfte des Schädels. Diese dürfen derzeit noch gezüchtet werden, wenn sie alle anderen festgelegten Kriterien erfüllen.

Ampelsystem könnte viel Leid verhindern
Grün steht für eine Fanglänge von mindestens der Hälfte des Schädels und stellt den Idealzustand dar. „Die Kurzköpfigkeit ist eines der häufigsten Qualzucht-Merkmale“, so Persy. „Mit der Übernahme dieser in den Niederlanden bereits erprobten Ampel könnte sofort viel Leid in Österreich verhindert werden.“

Für „Vigo“ kommen mögliche Zuchtverbote zu spät: Mit der Hilfe von Tierärzten wird er weiter um ein würdiges Leben ohne Leiden und Schmerzen kämpfen müssen. Seine Halter gehen derweil auch juristisch gegen die Züchter vor. Sie wollen andere Menschen vor dem Leid bewahren, dass ihr Hund und sie durchmachen müssen.

„,Vigo‘ ist tragischerweise kein Einzelschicksal, und es scheint immer noch munter in dieser Form weitergezüchtet zu werden“, schreibt seine Halterin in einem viel beachteten Posting auf Facebook. „Ich kann nicht nachvollziehen, wie Züchter es moralisch und ethisch vertreten können, Lebewesen, die auf unseren Schutz angewiesen sind, derart vorsätzlich zu quälen."

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