21.11.2020 10:59 |

Im zweiten Lockdown

Und wieder zieht es Menschenmassen auf Berge

Auch jetzt, im zweiten Lockdown, verzeichnen steirische Ausflugsziele einen regen Zulauf. Die unangenehme Begleiterscheinung: viel Müll und Verkehr.

Nichts geht mehr. „Am Sonntag spielten sich Szenen ab, so etwas hab’ ich in all den Jahren noch nicht erlebt“, berichtet Hannes Kogler, Bürgermeister von St. Radegund bei Graz. Bereits in den frühen Morgenstunden strömten derart viele Menschen Richtung Schöckl, dass man sich sogar zu einem Hilferuf im Radio veranlasst sah: „Es war so extrem, dass wir an die Leute appellieren mussten, doch bitte zu Hause zu bleiben“, erzählt der Ortschef zerknirscht. Dabei ist der 50-Jährige längst sturmerprobt. Denn schon beim ersten Lockdown zeigte sich, dass es viel mehr Menschen in die Natur zieht als normalerweise.

Anrainer leiden
Dass es nun wieder so sein wird, steht für Norbert Hafner, Leiter des steirischen Alpenverein-Landesverbandes, außer Zweifel: „Andere Aktivitäten wie Städte-Trips fallen weg, so entsteht eine Verlagerung auf - in Relation - ein paar wenige Hotspots. Dies kann natürlich auch zu Problemen führen, vor allem mit Anrainern.“

Müll gehört in den Rucksack
Neben Verkehrsüberlastung und Parkplatz-Knappheit bringt der Ansturm auf die heimischen Berge noch ein weiteres Ärgernis mit sich: der teils achtlose Umgang mit Müll. „Von Plastikflaschen über Zigarettenschachteln bis zu Windeln - leider wird immer mehr Unrat einfach liegengelassen“, berichtet Kogler. Die geschlossene Gastronomie zwang den „Schöckl-Bürgermeister“ in der Vorwoche zum Handeln: „Wir haben unten am Parkplatz und oben am Berg Dixi-Klos aufgestellt, die Zustände waren einfach katastrophal“.

Neues Gebührensystem und Öffi-Offensive
Um die Müll-Problematik in den Griff zu bekommen, könne man nur die Wanderer selber in die Pflicht nehmen. Um die Verkehrssituation zu entschärfen, setzen die Naturfreunde Steiermark auf eine Öffi-Offensive: „Unser Ziel ist es, die Menschen dazu zu motivieren, das Auto öfter stehen zu lassen und stattdessen mit Bus oder Bahn zum Ausgangspunkt einer Wanderung anzureisen“, so Vorsitzender Jürgen Dumpelnik.

Im Rahmen der Kampagne „Umsteigen vorm Aufsteigen“ haben die Naturfreunde kürzlich etwa einen eigenen Hüttenatlas herausgegeben, in dem alle Hütten gelistet sind, die an mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbaren Routen liegen.

Notparkplatz steht ab sofort zur Verfügung
Auch Hannes Kogler will eigeninitiativ Beiträge zu einer Verbesserung der Situation liefern: „Wir arbeiten gemeinsam mit Stattegg und Semriach an einem neuen Verkehrsleitsystem, auch Gebühren könnten künftig eingehoben werden“, sagt der Regionalpolitiker. Zusätzlich zu den bestehenden Abstellflächen soll bereits ab diesem Wochenende ein Notparkplatz bei Bedarf geöffnet werden können: „Wir leben hier im Paradies. Da ist es nur verständlich, dass so viele zu uns wollen.“

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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