12.11.2020 07:00 |

Im Bezirk Liezen

Immer mehr Widerstand gegen Zweitwohnsitz-Boom

Es war ein politischer Paukenschlag: In Schladming und Haus im Ennstal siegten bei der Gemeinderatswahl Bürgerlisten, die sich gegen explodierende Baupreise und den Zweitwohnsitz-Boom aussprechen. Die Regeln werden hier nun verschärft - und andere Kommunen rücken in den Immobilien-Fokus, etwa Bad Mitterndorf.

Da haben einige Zweitwohnsitzbesitzer wohl Sorge bekommen: Seit Hermann Trinker Bürgermeister von Schladming ist, haben sich schon 54 von ihnen neu angemeldet. Mehr könnten folgen. Trinker: „Wir werden viele Besitzer von Zweitwohnungen anschreiben.“

Kein „Ausverkauf der Heimat“
Ein ebenso großes Problem: In der aktuellen Krise wird viel Geld in Immobilien investiert, das Ennstal ist - auch, weil andere Bundesländer strenger vorgehen - heiß begehrt. Dadurch steigen die Preise extrem, die Wohnbevölkerung leidet. Ein „Ausverkauf der Heimat“ wird befürchtet.

In Schladming werden nun gemeinsam mit Siedlungsgenossenschaften Mietwohnungen errichtet, auch ein großes Areal in Rohrmoos wird gekauft. Und: Ein neues räumliches Entwicklungsleitbild soll Investorenprojekte einschränken.

Investoren suchen sich neue Regionen
Auch in Haus und in Ramsau, wo ebenfalls Bürgerlisten den Bürgermeister stellen, wird dem Bauboom zunehmend ein Riegel vorgeschoben. Das Interesse der Investoren wandert nun stärker in andere Regionen, darunter Bad Mitterndorf.

Hier ist zuletzt Kritik von besorgten Bürgern laut geworden, insbesondere an einem geplanten Projekt anstelle des geschlossenen Hotels Montana: Eine holländische Firma will das Gebäude abreißen und auf mehreren Stockwerken „Luxusappartements“ errichten, wie es auf einer mittlerweile offline genommenen Webseite heißt. Die Befürchtung ist, dass dabei durch die Hintertür Zweitwohnsitze geschaffen werden.

„Es gibt Projekte, die sich nicht mehr aufhalten lassen“
Denn diese sind hier laut Widmung eigentlich nicht möglich, sagt Bürgermeister Klaus Neuper zur „Krone“. Gegen ein Hotel mit einer Tagesgaststätte hätte man aber nichts - die Betreiber sollen ihre Pläne bald im Gemeinderat präsentieren.

Insgesamt will die Kommune künftig durch einen neuen Flächenwidmungsplan restriktiver vorgehen, bis Herbst 2021 soll er vorliegen. Auch ein „mit Macht ausgestatteter“ Beirat zur Ortsbildentwicklung ist geplant. „Es gibt aber Projekte, die sich nicht mehr aufhalten lassen“, erzählt Neuper. Dazu zählt ein großes Zweitwohnsitz-Projekt in Tauplitz, dessen erster Teil vor der Eröffnung steht.

Jakob Traby
Jakob Traby
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