08.11.2020 06:00 |

Neues Album „Disco“

Kylie Minogue: Am Disco-Dancefloor der 80er-Jahre

Popdiva Kylie Minogue lässt nach dem Ausflug ins Countrygenre mit ihrem neuen Album den nostalgischen Discosound wieder aufleben. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft, denn die 80er boomen im Pop weltweit - nur sind nicht alle gleich gut darin...

Kylie Minogue könnte sich mit ihrer neuen Platte in die Annalen des Pop einschreiben. Sollte sich „Disco“ nach der Veröffentlichung an die Spitze der britischen Charts setzen, hätte der Megastar in seiner Wahlheimat in fünf aufeinanderfolgenden Jahrzehnten jeweils ein Nummer-eins-Album veröffentlicht. Das ist bisher noch keiner Solokünstlerin im Mutterland des Pop geglückt. „Ich bin froh, dass mir das nicht bewusst war, als ich das Album gemacht habe“, sagt die 52-Jährige im Videochat mit der dpa, „denn dann hätte ich mich unter Druck gesetzt gefühlt. Ich versuche auch jetzt nicht, darüber nachzudenken. Aber klar, wenn ich das schaffen könnte, wäre das unglaublich.“

Bogen zum Dancefloor
Was auf ihrer mittlerweile 15. Platte draufsteht, das ist eben einfach auch drin. Mit „Disco“ schlägt Australiens Popexport Nummer eins einen Bogen über den Dancefloorsound ihrer eigenen Karriere - und weit darüber hinaus. Besonders raffiniert ist ihre Single „Say Something“. Kylies melodisch-klarer Gesang bietet einen feinen Kontrapunkt zu knirschenden Gitarrenlicks, anstachelndem Funkbeat und massigen Chorkaskaden. Dieser wohl beste Song auf der Platte ist ein wirklich modern treibender Discohit, der schwer wieder aus den Gehörgängen verschwindet. Die Single „I Love It“ hängt sich unverwechselbar an den Bee Gees-Sound der 1970er an, mit „Dance Floor Darling“ schwelgt Kylie in der Ära des legendären New Yorker Nachtclubs „Studio 54“. Die Diskothek habe sie zu dem Album inspiriert, auch wenn sie den berühmten Tanztempel, der 1986 geschlossen wurde, selbst nie betreten hat. „Die Bilder und die Disco-Songs aus dieser Zeit sind so stark“, schwärmt die Sängerin. Die Single „Magic“ erinnert im Arrangement an Giorgio Moroders „Sound Of Munich“.

„Das kommt alles aus meinem Inneren, es sind Songs, die ich schon so lange kenne, Lieder die wir alle lieben und auf jeder Party spielen“, sagt Kylie. Sie nennt Discoikonen wie Chic, Gloria Gaynor, die Bee Gees und ABBA. Bewusst habe sie sich aber an niemandem orientiert. „Man kann es ja nicht besser machen. Deshalb wäre es schwierig, sich diese tollen Songs zum Vorbild zu nehmen. Dann macht man bloß eine schlechtere Version von einem großartigen Lied.“ Nur gelegentlich griff die Sängerin auf alte Videos von Earth, Wind & Fire („Boogie Wonderland“) oder Ottawan („D.I.S.C.O.“) zurück. „Wenn wir beim Songwriting oder bei der Produktion zu sehr in Richtung Electronica oder eines urbaneren Sounds abgedriftet sind, dann hab ich gesagt: “Guckt euch das an, das ist die Stimmung„“, erzählt sie und lacht. „Es geht nicht um Schlaghosen und Plateauschuhe. Es geht einfach darum, das Gefühl zu haben, durch die Dunkelheit zu tanzen, mit all den Farben und Bewegungen.“

Keine Megahits
Klar gibt es auch Schattenseiten: Das überflüssige Autotune in „Supernova“ soll wohl an das eigene Werk der Jahrtausendwende erinnern, steht aber hinter damaligen Knallern wie „Your Disco Needs You“ zurück. Dahingestellt bleibt auch, warum Kylie einen zurecht vergessenen Teenie-Kaugummi-Pop in „Monday Blues“ aufwärmt. Auf „Disco“ wiederholt sich, was sich leider schon auf den Vorgängerstudioalben „Golden“ (2018) und „Kiss Me Once (2014) zeigte: Einen überragenden Superhit für mehr als einen Sommer oder Winter hat Kylie derzeit nicht in petto. Kein All-Time-Favourite wie “Spinning Around“, “All The Lovers“ oder “Slow“. Ganz zu schweigen von einem zweiten “Can‘t Get You Out Of My Head“, mit dem sie schon vor zwei Jahrzehnten auf der Discowelle ritt.

Kylie hat auf “Disco“ an allen Songs mitgearbeitet. Auch ein Superstar muss sich in Coronazeiten umstellen. Für ihre neue Platte hat sie daheim in London ein eigenes Tonstudio eingerichtet, die Arbeit mit den Produzenten musste dieses Mal auf Distanz funktionieren. “Es hat uns allen gefehlt, gemeinsam im Studio zu sein“, räumt die Sängerin ein. “Keiner von uns hatte vorher von zuhause gearbeitet. Aber es hat nicht geschadet.“ Zwar kommt die Platte teils etwas schnulzig daher, ist aber dennoch auch mitreißend und träumerisch. Minogues durchgängig glitzerndes Plädoyer für Liebe und Zusammengehörigkeit mag überinszeniert sein. Aber vielleicht ist es gerade das, was dieser triste November braucht. Clubs geschlossen, Tanzflächen leer gefegt - wie lange, weiß keiner. “Disco" bietet in der Hinsicht zwei Dinge: ein Versprechen und eine Sehnsucht.

 Wien Krone
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