Mi, 14. November 2018

"Hängt sie auf!"

20.10.2010 15:15

Zeitung in Uganda ruft zum Mord an 100 Schwulen auf

Die Titelgeschichte der Zeitung schlug ein wie eine Bombe: Die "100 Top-Homosexuellen des Landes" veröffentlichte die ugandische Zeitung "Rolling Stone" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Musikmagazin). Foto, Name und Adresse - alles wurde abgedruckt, samt dem Aufruf: "Hängt sie auf". Vier der Männer wurden seit der Veröffentlichung Anfang Oktober bereits Opfer von Angriffen.

Vor einem Jahr hatte ein Abgeordneter im ugandischen Parlament einen Gesetzentwurf eingebracht, der für homosexuelle Handlungen lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe vorsah. Die Initiative löste international einen Sturm der Entrüstung aus und wurde auf einen diskreten Wink von Staatspräsident Yoweri Museweni hin in aller Stille auf Eis gelegt. Doch die Betroffenen haben seither ein Jahr voller Übergriffe und Schikanen hinter sich.

"Bevor das Gesetz im Parlament vorgelegt wurde, haben sich die meisten Leute nicht darum geschert, was wir tun. Doch seitdem werden wir von vielen Schwulenhassern drangsaliert", berichtet der 27-jährige Patrick Ndede. "Das Aufsehen um das Gesetz hat viele Leute auf uns aufmerksam gemacht, und sie fingen an, uns zu misshandeln."

17 Homosexuelle hinter Schloss und Riegel
Im Lauf des Jahres seien mehr als 20 Homosexuelle in Uganda angegriffen und weitere 17 verhaftet und ins Gefängnis gesperrt worden, berichtet Frank Mugisha von der Organisation "Sexuelle Minderheiten Uganda". Zwei Jahre zuvor seien nur zehn Überfälle bekannt geworden.

Homophobie ist in vielen afrikanischen Ländern gang und gäbe. In Nigeria kann Homosexualität mit dem Tode oder mit Haft bestraft werden. Selbst in Südafrika, das als einziges afrikanisches Land die Schwulenehe erlaubt, werden Lesben zwecks "Umerziehung" von Banden vergewaltigt.

Schwule per Therapie "umpolen"?
Dem Gesetzesentwurf des Abgeordneten David Bahati voriges Jahr war ein Besuch ultrareligiöser amerikanischer Geistlicher in Uganda vorausgegangen, die dafür werben, gleichgeschlechtliche Orientierung mittels Therapie umzupolen. Heute sagt der ugandische Pastor Solomon Male, er sei froh, dass das Gesetz noch nicht verabschiedet sei. Er findet aber auch, dass Untersuchungen angestellt werden müssten, um herauszufinden, "warum Homosexualität im Lande zunimmt".

Die hetzerische Schlagzeile des Blatts "Rolling Stone" erschien am 9. Oktober, fünf Tage vor dem ersten Jahrestag der umstrittenen Gesetzesinitiative. In dem Artikel wird behauptet, dass die Homosexuellen in Uganda von einer unbekannten, tödlichen Krankheit befallen wären, und die oft gehörte Unterstellung wiederholt, dass Schwule sich an Schulen herumtrieben und eine Million Kinder rekrutierten. Kaum war das Blatt im Verkauf, wurde die Zeitung vom amtlichen Medienrat geschlossen - aber nicht wegen des Inhalts, sondern weil sie nicht ordnungsgemäß angemeldet war. Wenn die Formalitäten erledigt seien, dürfe die Zeitung wieder erscheinen, sagte der Sekretär des Medienrates, Paul Mukasa.

"Diese Art von Medien sollte in Uganda nicht erlaubt sein"
Diese Entscheidung macht die Schwulenszene noch zorniger. Eine Klage gegen "Rolling Stone" sei in Arbeit, kündigt Onziema an. Sie gehe davon aus, dass die Zeitung ihre Anmeldung eingereicht habe und wieder erscheinen wolle. "Diese Art von Medien sollte in Uganda nicht erlaubt sein. Das schafft Gewalt und ruft zum Genozid an sexuellen Minderheiten auf", erklärt Mugisha. Justiz und Staat müssten sie vor solchen Medien schützen.

"Rolling Stone" hat keine große Stammleserschaft in dem 32 Millionen Einwohner zählenden Land. Die erste Ausgabe des Blatts erschien am 23. August. Die Auflage beträgt 2.000 Exemplare - allerdings wird jede verkaufte Zeitung in Uganda von weiteren zehn Menschen gelesen.

Chefredakteur: "Artikel war im öffentlichen Interesse"
Chefredakteur Giles Muhame sagt, der Artikel sei "im öffentlichen Interesse" gewesen. "Wir waren der Ansicht, die Gesellschaft muss wissen, dass solche Typen in ihren Reihen existieren. Manche von ihnen werben kleine Kinder für die Homosexualität an; das ist böse und gehört bloßgestellt", sagt er. "Kurz gesagt, wir haben das gemacht, weil Homosexualität illegal ist, inakzeptabel und eine Beleidigung unserer traditionellen Lebensweise."

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