02.10.2020 11:00 |

Corona-Semester

Fernstudium statt Platznot an den Tiroler Unis

Semesterstart an den Tiroler Hochschulen. Wo sich sonst die Massen drängen, sind heuer die Hörsäle halb leer. Die Corona-Pandemie hat gravierende Auswirkungen auf die Lehre. Virtuelle Universität bleibt vorerst die Norm.

„Willkommen an der Medizin-Universität Innsbruck. Ich gratuliere Ihnen zur erfolgreichen Aufnahme.“ Mit diesen Worten begrüßte Rektor Wolfgang Fleischhacker dieser Tage die Studienanfänger. Normalerweise tut er das einmal für alle rund 500 Neulinge, die im großen Hörsaal Platz finden. Doch heuer musste sich der Rektor wiederholen – gleich viermal, weil nur etwas mehr als 100 Plätze belegt werden dürfen.

Rektor: „Wir haben uns gut vorbereitet“
Die Corona-Bestimmungen haben auch den Studienbetrieb auf den Kopf gestellt. Mehr als 30.000 Studierende starten dieser Tage an den beiden Unis in Innsbruck ins neue Semester. Rund 28.000 sind es an der Leopold-Franzens-Universität, der größten Hochschule des Landes. „Wir haben uns gut vorbereitet und sind zuversichtlich, ein sicheres Semester abwickeln zu können“, gibt sich Rektor Tilmann Märk optimistisch. Am Montag startet in seinem Haus der Vorlesungsbetrieb. Doch die meisten Studiosi werden die Hörsäle zumindest bis Februar nur selten von Innen zu sehen bekommen. Der Großteil der Lehre findet digital statt. Für Vorlesungen vor Ort gelten strenge Bestimmungen. Um einen Sitzplatz muss sich heuer niemand streiten.

Präsenzlehre vor allem für die Debütanten
Vieles geht digital – aber nicht alles. „Erstsemestrige müssen physisch an der Uni ankommen und nicht vom ersten Tag an in der Küche vor ihrem Laptop sitzen“, spricht Peter Loidl, Vize-Rektor der Med-Uni, eine Prämisse an. Um auf die Schnelle mehr Platz zu schaffen, haben sich die Unis einiges einfallen lassen. In der UMIT in Hall wird bei Bedarf die Aula in einen Hörsaal mit 100 Plätzen umfunktioniert. Auch die Arbeit in den Labors ist kaum ersetzbar. Ansonsten wird der Computer zur wichtigsten Tür in den Hörsaal.

Leseplatzreservierung an der Uni-Bibliothek
Beschränkter Zugang gilt auch in der Universitätsbibliothek, die nicht nur von Studenten besucht wird. Der historische Lesesaal mit seinem inspirierenden Ambiente hat ein ebenso limitiertes Platzangebot wie die Bibliotheksräume im Neubau. „Im historischen Saal dürfen aktuell 66 statt 133 Leseplätze belegt werden“, konkretisiert Bibliothekssprecher Christian Kössler. Eine Online-Reservierung soll Platzstreitigkeiten verhindern.

„Medizin lebt vom persönlichen Kontakt“
Für den Großteil der Studierenden heißt es in den kommenden Monaten: Privaten Laptop aufklappen, einloggen und dann rein in die virtuelle Uni. Technische Probleme sollte es – so der allgemeine Tenor – keine geben. Doch Vize-Rektor Peter Loidl fürchtet, dass das verordnete Fernstudium Schule machen könnte: „Wir müssen den Mut haben, zu sagen: Wir sind eine Präsenzuniversität und Medizin lebt vom persönlichen Kontakt.“ Eine Erkenntnis, die nicht nur für die Medizin gilt.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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