29.09.2020 06:03 |

Auf Roter Liste

Gespenstische Stille in „Goldener Stadt“ Prag

Seit Montag gilt für Österreicher eine partielle Reisewarnung für Prag. Die „Krone“ schaute sich vorab bei einem Lokalaugenschein in Tschechien um.

Bleierne Zeit in der „Goldenen Stadt“: Beim Gang über die Karlsbrücke in Prag, die sich seit dem Mittelalter wie eine Trutzburg über der mächtigen Moldau aufbaut, ist die Stimmung frostig. Und es liegt nicht nur am eben begonnenen Herbst, der erste Vorboten des Winterwetters ausschickt. Dort, wo sich sonst Tausende Touristen drängen, herrscht gespenstische Stille. Ein Mann rückt sich angesichts der Brise seinen Schal zurecht, sonst patrouillieren hier fast nur Polizisten.

Die Tschechische Republik hat die zweite Welle der Pandemie wie ein Tsunami erfasst - und das Alltagsleben gelähmt. Seit Ausbruch der Krise sind in unserem Nachbarland mehr als 600 Corona-Tote zu beklagen.

Die hiesige Regierung hat mit strikten und übersichtlichen Maßnahmen reagiert, und die Bürger gehen besonnen mit den Vorgaben um. „Seit Anfang des Monats gilt Maskenpflicht in allen Innenräumen. Seit dem 24. September müssen Restaurants und Bars von 22 Uhr bis frühmorgens vorerst einmal bis 7. Oktober geschlossen bleiben“, weiß Dr. Yvette Polasek, Direktorin von CzechTourism in Wien.

Tschechisches Corona-Ampelsystem
Ähnlich dem österreichischen Ampelsystem gelten für Bezirke unterschiedliche Warnstufen. Wobei sich die „Farbenlehre“ ein wenig unterscheidet. Die Stufe null ist weiß markiert, dann folgen Grün und Gelb. Bei Rot herrscht Alarm!

Schauplatzwechsel nach Pilsen: Die Braustadt in Böhmen hat nicht nur den vielleicht besten Hopfensaft der Welt (untergärig), sondern auch viel Kultur zu bieten. Hussiten haben einst ihre Spuren hinterlassen, später auch Architekt Adolf Loos - und jetzt eben Covid-19. Auch wenn die Infektionszahlen hier geringer sind als in der Hauptstadt, verhalten sich die Bewohner diszipliniert. Abstand gehört einfach zum guten Ton.

Pensionistin: „Vom Virus lassen wir uns nicht unterkriegen“
„Ich habe den Kommunismus überlebt. Vom Virus lassen wir uns nicht unterkriegen. Aber ich weiß, was auf dem Spiel steht“, schildert eine Pensionistin beim „Krone“-Lokalaugenschein in einem Kiosk nahe der gotischen St.-Bartholomäus-Kathedrale und blättert in einem Magazin mit dem verstorbenen Nationalhelden Karel Gott auf der Titelseite. Dann legt sie ein paar Kronen-Münzen zur Kassa, steckt das Heft in ihre Tasche und stapft schweren Atems mit der Maske im Gesicht über das Kopfsteinpflaster heimwärts.

Gregor Brandl, Kronen Zeitung, berichtet aus Prag

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