Im Schatten von Ibiza

Prozesse rund um Drogen und verdächtige Geschäfte

Zwei Prozesse beschäftigten sich mit einem Darsteller des Ibizas-Videos, der Heinz-Christian Strache austrickste. In Salzburg ging es um angeblichen Drogenhandel des Detektivs, in Krems (Niederösterreich) um dessen Geschäftspraktiken. 

Fall 1: Julian H., Begleiter der angeblichen Oligarchen-Nichte im Video, war früher als Detektiv tätig. In Krems steht ein früherer Kollege, Sascha W. (49, Anwalt Sebastian Lesigang), vor Gericht. Gemeinsam sollen die beiden mit weiteren Partnern (siehe Fall 2) eine Detektei in München betrieben haben.

„Ursprünglich wollten wir Straftaten aufklären und verhindern“, so Sascha W. Das habe sich geändert: Im Auftrag einer heimischen Firma sollte ein polnisches Konkurrenzunternehmen ausspioniert werden. Die Mittel, die angewendet wurden, bezeichnet Sascha W. als „illegal“: „Es ging um Scheingeschäfte, Scheinfirmen, Scheinanbahnungen.“ Einzig und allein mit dem Ziel, der heimischen Firma einen Geschäftsvorteil zu verschaffen.

Das war bereits 2016, lange vor „Ibiza“. Sascha W. erstattete Selbstanzeige, doch seltsamerweise wurden alle Anschuldigungen gegen andere fallen gelassen, er selbst steht jetzt aber wegen Verleumdung vor Gericht. In diesem Verfahren, das am 23. Oktober fortgesetzt wird, werden die Geschäftspraktiken der „Ibiza-Detektei“ beleuchtet.

Fall 2: Wegen des Handels mit 3,1 Kilogramm Kokain sowie dem unerlaubten Besitz einer Pistole der Marke CZ 99 musste sich ein weiterer früherer Mitarbeiter der Münchner Detektei in Salzburg verantworten: Ein Bosnier (53) und seine Ex-Geliebte (34) aus der Slowakei.

Fast ein Kilo Kokain soll der Mann laut Anklage zwischen 2018 und 2019 dabei von seinem alten Bekannten und Geschäftspartner Julian H. erhalten haben, was dieser bestreitet. Die beiden hatten lange vor dem Ibiza-Video für Firmen und angeblich auch für die Polizei gearbeitet.

Im Prozess zeigte sich der Bosnier dazu jedoch nicht geständig. „Er hat mir kein Kokain gegeben“, beteuerte der Bosnier auf Nachfrage von Richterin Dagmar Schmidt. Den Besitz der Pistole vom Kaliber neun Millimeter gab er jedoch zu. Der Grund: „Julian H. hat mir die Pistole zu meinem 50. Geburtstag geschenkt“, so der Hauptangeklagte. „Ihm tut der Besitz der Waffe sehr leid“, betonte sein Verteidiger Timo Gerersdorfer.

Laut der Slowakin kam es Ende 2016 in Salzburg auch zu einem Streit zwischen H. und ihr. „Er hat mich mit einer Waffe bedroht“, so die 34-Jährige. Sie zeigte sich im Gegensatz zu dem Bosnier geständig. „Es stimmt alles“, gab sich die Frau reumütig. Sie habe dem Bosnier aus Liebe beim Drogenhandel geholfen.

Das Gericht verurteilte den Mann rechtskräftig zu drei Jahren unbedingter Haft, seine Ex-Geliebte zu 18 Monaten, davon zwölf bedingt.

Peter Grotter und Nikolaus Pichler, Kronen Zeitung

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