24.09.2020 15:35 |

Oberwalderhütte

Ein Stützpunkt im (noch) ewigen Eis!

Die Oberwalderhütte unter dem Großglockner ist die zweithöchst- gelegene Schutzhütte Österreichs, umringt von Gletschern. Die „Bergkrone“ besuchte Hüttenwirt Bernd Fürhapter und Familie, die nur zu viert den Stützpunkt managen.

Thronend auf der Felskuppe des Großen Burgstalls steht die Oberwalderhütte inmitten der gewaltigen Eismassen von Pasterze und Bockkarkees. Ein unwirtlicher und zugleich wunderschöner Ort, völlig den Naturgewalten ausgesetzt. Zwischen 1908 und 1910 wurde hier die Schutzhütte des Alpenvereins in 2973 Meter Seehöhe errichtet und nach Thomas Oberwalder benannt, einem bergbegeisterten Osttiroler, der als k.u.k.-Hoflieferant mit Stroh- und Filzhüten ein Vermögen machte und damit den Bau der Schutzhütte finanzierte, jedoch noch vor der Eröffnung von einer Lawine in den Tod gerissen wurde.

Heute ist die Oberwalderhütte der perfekte Stützpunkt für sämtliche alpinen Ausbildungen in Eis, Fels und Schnee in Österreich und seit eineinhalb Jahren auch das lieb gewonnene Zuhause von Bernd Fürhapter und seiner Familie.

„Das Bundesheer, Bergführer und Bergretter kommen alljährlich zur Ausbildung zu uns“, erzählt Bernd, den die „Bergkrone“ mitten im hochsommerlichen August bei heftigem Schneetreiben besuchte: „In wenigen Minuten finden Ausbildner hier mächtige Gletscherspalten und große Eiswände, also Übungsplätze, die bei anderen hochalpinen Hütten erst nach mehrstündigen Zustiegen erreichbar wären.“ Der sportliche Hüttenwirt Bernd fühlt sich deshalb sichtlich wohl in dreitausend Meter Höhe. „Mir gefällt die Ruhe hier, einfach weit weg zu sein.“

Mehr als 25 Jahre ist der sympathische Osttiroler aus Außervillgraten schon in der Gastronomie tätig: „Ich habe auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet, aber auch in der Sternen-Gastronomie. Und zuletzt war ich acht Jahre lang als Chefkoch im Alpenhotel Weitlanbrunn in Sillian.“

Heinz Bodner, der Hüttenwirt der Obstanser Seehütte in den Karnischen Alpen gab Bernd den Tipp, dass der Alpenverein einen neuen Pächter suche. Ein Glückstreffer für Bernd und alle Hochalpinisten. „Bernd und seine Familie machen einen tollen Job!“, schwärmt Bergführer und Stammgast Wolfgang Schupfer.

Denn die Hütte mit zahlreichen Zimmern und 114 Betten wird quasi als Familienbetrieb geführt. „Ich werde unterstützt von meiner Frau Janelyn, meiner Tochter Anna-Maria und ihrem Freund Sebastian“, erzählt Bernd, während er einen Kaiserschmarrn flambiert, der übrigens köstlich schmeckt.

Obwohl der Arbeitstag für die vier in der kurzen Saison zwischen Juni und Ende September frühmorgens beginnt und erst spät nachts endet, bezeichnet Bernd das Arbeiten hier als „gemütlich“: „Die Leute sind ruhiger und leichter zufriedenzustellen, weil sie wissen, wo sie sich befinden.“ Eine große Herausforderung aufgrund der extremen Lage ist die Technik der Hütte. „Gibt’s Probleme, dann müssen wir uns selbst helfen“, verrät der Osttiroler. Der Wasserbedarf wird durch Gletscherwasser gedeckt, das in einem rund 60.000 Liter fassenden Becken gesammelt wird. Von hier kommt es zur Hütte, wird in einen Hochbehälter gepumpt, gefiltert und entkeimt. Warmwasser entsteht in einer Solarthermieanlage, die mittels Gastherme unterstützt wird.

Anspruchsvoll ist die Klärung und Entsorgung der sanitären Abfälle. Dennoch zählt die Oberwalderhütte zu den umweltfreundlichsten der Alpen.

Erreichbar ist die Hütte in etwa zweieinhalb bis drei Stunden zu Fuß von der Franz-Josefs-Höhe über den Gamsgrubenweg (aktuell wegen Steinschlags gesperrt) oder den Gletscher- und Hofmannsweg erreichbar.

Die Hütte ist übrigens auch ein lohnendes Ziel für eine Tageswanderung (Helm und Klettersteigset sind für den Aufstieg auf den Großen Burgstall von Vorteil) in einer der wohl spektakulärsten Landschaften Österreichs. 

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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