24.09.2020 06:00 |

Verwirrende Fristen

Quarantäne-Farce an Wiener Volksschule

Zahlreiche Verdachtsfälle und eine steigende Zahl an positiven Corona-Tests bei Schülern oder Lehrern: Das ist die Bilanz nach knapp drei Schulwochen in Wien. Im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie stiftet die Vorgehensweise von Schulen und Behörden bei vielen Eltern Verwirrung. Vor allem die Fristen bei angeordneter Quarantäne sorgen für Kopfschütteln bei den Betroffenen, wie am Beispiel einer Volksschule in Wien-Leopoldstadt deutlich wird.

Am vergangenen Samstag wurden die Eltern einer Volksschulklasse in Wien-Leopoldstadt über einen positiven Covid-19-Fall unter den Schülern einer 4. Klasse informiert. Wie dem Schreiben zu entnehmen war (siehe unten), endete die für zehn Tage angeordnete Quarantäne aber bereits wieder am Dienstag. Also kehrten die Schüler am Dienstag brav in ihre Klasse zurück. Am selben Tag wiederum folgte der nächste Brief: Erneut sei ein Kind positiv getestet worden - und schon traten die Mädchen und Buben wieder den „Corona-Hausarrest“ an, diesmal bis 27. September.

Aber wie konnte es zu einem derart seltsam anmutenden Fristenlauf kommen, bei dem die Information über die Quarantäne die Eltern der betroffenen Schüler erst kurz vor dem Ende ebendieser erreichte? Die Schule selbst hat hier wenig bis keinen Spielraum, das entsprechende Prozedere wurde nach dem Corona-Sommersemester geändert und Quarantäne-Maßnahmen werden derzeit erst ergriffen, wenn ein positiv getesteter Fall vorliegt - zuvor hatte ein Verdachtsfall ausgereicht.

Bildungsminister will möglichst normalen Schulbetrieb gewährleisten
Hintergrund der Änderung: Weniger als fünf Prozent der Verdachtsfälle an Schulen erwiesen sich letztlich als positiv getestete Covid-19-Fälle - und das Bildungsministerium will im Herbst einen möglichst normalen Schulbetrieb ohne Klassen- und Schulschließungen gewährleisten. Offen halten, so lange wie möglich, lautet das Motto. „Von 100 Verdachtsfällen ist derzeit vielleicht einer positiv. Wenn wir bei jedem Verdachtsfall gleich die Schule sperren, würde es nicht funktionieren“, hatte auch Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer dazu bereits kurz nach dem Schulstart klargestellt.

Was passiert bei einem Corona-Verdachtsfall in der Schule? In Ihrer Schule gibt es einen aktuellen Coronafall. Wer wird z.B. als K1-Person eingestuft? Hier finden Sie die offiziellen Infos der Wiener Bildungsdirektion.

Heißt also: Erst bei einem positiven Test eines Schülers oder Lehrers muss derzeit die ganze Klasse in Quarantäne, da die Klassenkollegen als „Kontaktperson 1“ gelten. Die Entscheidung im Einzelfall muss stets die zuständige Gesundheitsbehörde treffen, es kann also auch hier von Fall zu Fall Abweichungen vom Prozedere geben. Die Schule informiert nach Rücksprache mit der Gesundheitsbehörde dann im nächsten Schritt schriftlich in einem Elternbrief. Dieses Schreiben wird erst bei einem bestätigten positiv getesteten Fall - und nicht schon bei einem Verdachtsfall - ausgeschickt.

Für Quarantäneregelung gilt Tag des Letztkontaktes
Die Schüler und Lehrer der betroffenen Klasse sollen sich daraufhin für zehn Tage in Quarantäne begeben. Warum es hier so viel Verwirrung gibt? Weil als Beginn des Fristenlaufes jener Tag des Letztkontaktes der Klasse mit der positiv getesteten Person gerechnet wird. So ergibt auch der kurios anmutende Fristenlauf an der Volksschule in Wien-Leopoldstadt wieder Sinn, ebenso wie die ein zweites Mal angeordnete Quarantäne gleich nach der Rückkehr in die Klasse. Anders ist es mit dem aktuell von der Regierung vorgegebenen Prozedere mit Fokus auf tatsächlich positiv getestete Fälle an den Schulen offensichtlich nicht machbar.

Sicher ist: Die Quarantäneregelung wird noch weiter für Verwirrung sorgen; auch deshalb, weil wiederum nur jene Klassenkollegen dem Prozedere zufolge einen Test benötigen, bei denen auch Symptome auftreten (siehe Elternbrief-Ausschnitt oben). Damit nicht genug, sind die Wartezeiten auf Tests und deren Ergebnisse derzeit in Wien mitunter schon sehr lang.

So müssen etwa auch die Eltern einer Volksschulklasse in Wien-Margareten, wo nach dem Auftreten eines positiv getesteten Falls eine 3. Klasse am Mittwoch in Quarantäne geschickt wurde, jetzt bis zu fünf Tage auf den Test zu Hause für jene Kinder mit Symptomen warten. Wenn die Ergebnisse dann endlich vorliegen werden, sind die zehn Tage Quarantäne beginnend mit dem Letztkontakt zur erkrankten Person längst verstrichen ...

Kronen Zeitung/krone.at

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