10.09.2020 18:16 |

Bewachung verstärkt

Berlin fürchtet neuerliches Attentat auf Nawalny

In Berlin sind die Sicherheitsvorkehrungen für den vergifteten und kürzlich aus dem Koma erwachten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny verstärkt worden. Um möglichen Attentatsversuchen vorzubeugen, stehen laut Polizei nun mehr Beamte zur Verfügung, die Nawalny auch direkt in der Klinik bewachen sollen. Während US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag hohe russische Regierungsbeamte für das Attentat verantwortlich machte, wies Moskau die scharfe Kritik vehement zurück.

Die Anzahl der eingesetzten Beamten sowie die Kontrolldichte um Nawalny in der Berliner Charité seien erhöht worden, berichtete das Magazin „Spiegel“ am Donnerstag unter Berufung auf eigene Recherchen. Damit werde deutlich, dass die Polizei in Berlin weiteren Attentatsversuchen vorbeugen wolle, hieß es.

Nun auch direkt bewacht
Demnach soll Nawalny nun auch direkt in der Berliner Klinik bewacht werden, in der er seit dem 22. August behandelt wird. Inzwischen konnte er von den Ärzten aus dem künstlichen Koma geholt werden und ist ansprechbar. Ein Berliner Polizeisprecher wollte Details zu Objektschutz- und Personenschutzmaßnahmen jedoch nicht weiter kommentieren.

Nawalny-Mitstreiter verprügelt
Am Mittwochabend ist im Osten Russlands ein Aktivist von Nawalnys Oppositionsgruppe von Unbekannten verprügelt worden. Der Angriff ereignete sich wenige Tage vor den Regionalwahlen in der Stadt Tscheljabinsk, wie die Gruppierung mitteilte. Das Opfer, das seit einigen Tagen Drohungen erhalten haben soll, erlitt laut Rettungskräften einen Schädelbruch.

USA: Anschlag von hoher Stelle in Moskau angeordnet
Inzwischen haben auch die USA deutliche Worte an Russland gerichtet. Außenminister Mike Pompeo geht davon aus, dass der Giftanschlag auf Nawalny von hoher Stelle in Moskau angeordnet wurde. Es gebe eine „erhebliche Wahrscheinlichkeit“, dass „hochrangige Regierungsmitglieder“ hinter dem Anschlag steckten, erklärte Pompeo in einem Interview.

Russland nun doch zu Zusammenarbeit bereit
Moskau wies die Äußerungen sogleich als „inakzeptabel“ zurück. Russland beruft sich dabei auf die eigenen Untersuchungen im sibirischen Omsk, bei denen keine Spuren von Gift in dessen Körper gefunden worden seien.

Obwohl der Kreml bislang keinen Grund sah, im Fall Nawalny etwas zu unternehmen, sei man nun doch zur internationalen Zusammenarbeit bereit. Dazu werde man mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) Kontakt aufnehmen, hieß es am Donnerstag.

Deutsch-russische Spannungen
Angela Merkel hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass Nawalny „zweifelsfrei“ mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Seit dieser Erklärung verschärften sich die Spannungen zwischen Berlin und Moskau massiv. Laut „Spiegel“ gehen deutsche Sicherheitsbehörden zudem davon aus, dass es sich bei der Vergiftung um eine Operation eines russischen Geheimdiensts handelte.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.