05.09.2020 19:00 |

Protest in Innsbruck

Haltestelle für S-Bahn killt Kastanienbäume

Dem Tod geweiht sind zwölf alte Kastanienbäume in der Ing.-Etzel-Straße in Innsbruck. Wenn kein Wunder geschieht, fallen sie in knapp zehn Tagen den Motorsägen zum Opfer. Grund ist der Bau einer neuen S-Bahn-Haltestelle, die eine Verbreiterung der Bahnanlagen oben am Viadukt nötig macht. Neupflanzungen sind zwar geplant, doch es regt sich bereits Protest.

In einem Schreiben informierten die ÖBB jüngst die Anrainer über das geplante Vorhaben. Demnach müssten die Baumkronen für den Bau des Bahnsteigs entfernt werden. Ohne diese seien die Kastanienbäume aber nicht lebensfähig. Mitte des Monats soll es nun soweit sein und die Motorsägen werden aufheulen. Die kleinen Oppositionsparteien ALI und Gerechtes Innsbruck kündigen für diesen Fall Widerstand an. „Zur Not ketten wir uns an die Bäume, so wie früher die Grünen“, schildert GR Gerald Depaoli.

„Hätten im Gemeinderat niemals zugestimmt!“
Von einer Rodung der Kastanienbäume im Bereich Viaduktbögen 91 bis 102 sei in der Gemeinderatssitzung im Herbst 2018 nie die Rede gewesen: „Es hätte garantiert keinen einstimmigen Beschluss für die Neuerrichtung der S-Bahn-Haltestelle im Innsbrucker Gemeinderat gegeben, hätten Bürgermeister Georg Willi und Umweltstadträtin Uschi Schwarzl offen gesagt, dass zwölf gesunde Kastanienbäume gerodet werden müssen!“, ist Depaoli überzeugt.

Innsbruck, Gemeinde mit Klimanotstand
„Wenn man bedenkt, dass die Bäume neben Kühlung, Sauerstoff, Ruhe, Stadtteilidentifikation und Lebensraum laut einem Gutachten auch einen finanziellen Gegenwert in Höhe von rund 73.000 Euro haben und die Bepflanzung 84.000 Euro wert ist, dann ist nicht nur das 2018 vom Gemeinderat beschlossene Projekt inhaltlich völlig verändert, sondern auch die Kosten“, sagt ALI-GR Mesut Onay. Ein derart prägender Eingriff in das Stadtteilleben und in die Umwelt ohne Einbindung der Öffentlichkeit und ohne offene Kommunikation sei zudem nicht nur vom politischen Stil her äußerst fragwürdig, sondern widerspreche auch dem aufrechten Gemeinderatsbeschluss bezüglich des Klimanotstandes.

Beide Fraktionen fordern nun einen sofortigen Rodungs- bzw. Projektstopp bis zur Klärung offener rechtlicher Fragen – zum Beispiel, ob hier der Gemeinderat übergangen wird.

Die ÖBB waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Philipp Neuner, Kronen Zeitung

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