11.09.2020 06:00 |

Neue Compilation

Große Huldigung an T.Rex-Legende Marc Bolan

Mit seiner Band T.Rex erfand der Brite Marc Bolan vor ziemlich genau 50 Jahren den Glam Rock und ist in diesem Metier bis heute unerreicht. Mit „Angelheaded Hipster“ erscheint nun eine 26 Songs starke Compilation, auf der ihm Künstler aller Generationen huldigen und das famose Vermächtnis in die Gegenwart transferieren.

Die Charts lügen nicht. Immer wieder tauchen dort, auch wenn sie längst nicht mehr die Wertigkeit und Wichtigkeit von früher besitzen, Re-Releases, Neueinspielungen oder Tribute-Alben aus den 70er-Jahren auf. Ob nun die 60er-, 70er- oder gar die 80er-Jahre die wichtigsten für die Populärmusikgeschichte waren wird in gewisser Weise auch immer eine subjektive Geschmacksfrage bleiben, aber dass Bands wie KISS, Aerosmith, die Eagles oder Foreigner bei ihren Konzerten noch stets die größten Hallen und amtliche Freiluftbühnen füllen, beweist, wie stark die Sehnsucht nach den erdigen Klängen der Vergangenheit ist. Einer der ganz Großen war freilich Marc Bolan. Der 1977 bei einem tragischen Verkehrsunfall viel zu früh verstorbene Kultstar erfuhr seine frühkindliche Initialzündung durch Rock’n’Roll-Papst Bill Haley, versuchte sich anfangs zaghaft im Folk und wurde als Gründer und Mastermind der legendären T.Rex zum Erfinder und Aushängeschild des Glam Rock. Zwischen 1970 und 1973 lag ihm die halbe Welt zu Füßen. So frisch, frech und frivol sollte das Subgenre nach seinem tragischen Verblassen nie wieder werden.

Legendäres Songwriting
Es ist die Hittauglichkeit von Songs wie „Hot Love“, „Get It On“, „Telegram Sam“, „Metal Guru“, „Children Of The Revolution“, „20th Century Boy“ oder „The Groover“, die noch bis heute nachstrahlt und knapp fünf Dekaden später mühelos beweist, welch zeitloser und famoser Songwriter der Londoner zeit seines kurzen Lebens war. Doch Bolan trug den Glamour nicht nur in seinen Songs vor sich her, sondern wusste sich mit den richtigen Outfits und einer Wagenladung Charisma auch persönlich zu inszenieren. Noch bis heute und weit darüber hinaus strahlt die Öffentlichkeitswirksamkeit des Ausnahmekünstlers quer über den Globus und findet mit beneidenswerter Beständigkeit auch bei den jüngeren Generationen ihren Anklang. 43 Jahre nach seinem Ableben und 50 Jahre nach dem Tyrannosaurus-Rex-Debütalbum (was genau gesehen nicht ganz korrekt ist) huldigt ihm Produzentenlegende Hal Wilner mit der Compilation „Angelheaded Hipster: The Songs Of Marc Bolan & T. Rex“.

Nicht weniger als 26 Künstler aus den unterschiedlichsten Generationen und Genres haben sich ihre jeweiligen Lieblingssongs dafür rausgepickt und - glaubt man der Legende - ohne große Diskussionen ein Werk zusammengestellt, dass der verblichenen Lichtgestalt alle Ehre macht. Den Erfolg der Compilation erlebt Wilner leider nicht mehr. Am 7. April verstarb er tragischerweise am Coronavirus, seine Arbeit mit und für Leonard Cohen, Marianne Faithfull, Lou Reed oder Randy Newman bleiben aber ebenso unvergessen, wie die besondere Art von „Alchemie“, die Wilner Gerüchten zufolge immer wieder aus den Künstlern herauszukratzen vermochte. Dass gerade sein auf Album gegossener Abgesang der mit dem größten Starpotenzial ist, tut im Endeffekt beiden Koryphäen mehr als Recht. Ein Wink des Schicksals, der um all diese negativen Erinnerungen und Ereignisse eine wohlige Klammer der Hoffnung und des Optimismus zu stülpen weiß.

Das richtige Gespür
Die wichtigste Tat Wilners auf „Angelheaded Hipster“ ist sein Gespür für die korrekte Umsetzung. Durch ihn stellt man sich Nick Cave in der Version von „Cosmic Dancer“ als Piano-Bolan vor, lebt sich Rockröhre Joan Jett förmlich in ihre Version von „Jeepster“ ein oder findet Devendra Banhart in „Scenescof“ eine feminine Ader in seinem Stimmtimbre, die man ihn trotz seiner Wandlungsfähigkeit nie zugetraut hätte. Natürlich können nicht alle 26 Nummern das hohe Niveau halten, das Kreativgeister wie eben Cave, Father John Misty („Main Man“) oder Marc Almond („Teenage Dream“) vorlegen, aber die oftmals stark vom Original abdriftenden Ehrerbietungen an den großen Bolan verkommen trotz der stattlichen Länge zu keiner Zeit zur Peinlichkeit. Dabei finden sich durchaus überraschende Gäste auf dem bunten Treiben. Etwa die zuletzt etwas in der Versenkung verschwundene Kesha, Deutschlands 80er-Legende Nena mit einer adäquaten Version von „Metal Guru“ oder ein feines „Rock On“ von Chef-Exzentriker Perry Farrell.

Wie so oft sind aber gerade die offensichtlichsten Momente auf derartigen Kollaborationen gar nicht einmal die allerbesten. Das stärkste Name-Dropping bekommt der Top-Hit „Get It On“ durch eine Kooperation von U2 und Elton John, der das Piano spielt. Von derart gewichtigen Granden könnte man sich aber auch eine mutigere Songauswahl erwarten, zudem wirkt Bono im Gesang relativ blutleer. Country-Legende Lucinda Williams fühlt sich mit „Life’s A Gas“ wohl auch weniger wohl als erwartet, wohingegen die Wahl-Berlinerin Peaches auf „Solid Gold, Easy Action“ eine überraschend basische Leistung abliefert, die man von ihr an und für sich nicht gewohnt ist. Die ganz große Emotion hat sich das Album natürlich für das Ende aufgehoben. Im Abschlusstrack „Ride A White Swan“ bekommt Sohn Rolan Bolan Raum, um ganz alleine ein paar emotionale Zeilen zu zitieren. Er war noch keine zwei Jahre alt, als sein Vater einst verstarb.

Würdige Huldigung
Im Endeffekt spiegelt jeder einzelne Song in der eigens aufgenommenen Version einen Teil der reichhaltigen Persönlichkeit Bolans wider. Als Musiker, Schriftsteller, Dichter, Komponist und Glamour-Boy wider Willen. Nebenbei findet Bolan dieses Jahr auch den längst verdienten Platz in der Rock And Roll Hall Of Fame. Überraschend ist vor allem, dass es der „20th Century Boy“ nicht auf die Platte schaffte, doch Wilner und seine hochkarätigen Gäste hatten sich tatsächlich an den jeweiligen Lieblingstracks orientiert, was das Ergebnis noch authentischer und liebevoller wirken lässt. Die größte Legendes Glam-Rock ist und bleibt für ewig auf einem gesonderten Thron in der Musikhistorie. Dieser wunderschöne Tribut an den großen Briten wird ihm zumeist mehr als gerecht - und mehr kann man von einem solchen Album auch nicht verlangen.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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