Prozessauftakt in NÖ

Frau, Kinder getötet: „Waren glückliche Familie“

Das muss man auch erst einmal schaffen. Das zu töten, was einem das Liebste ist: zuerst die Ehefrau (29) erstechen, dann die eigene Tochter (2). Und dann dem Sohn, noch kein Jahr alt, das süße Näschen und den Mund so lange zuhalten, bis er nicht mehr atmet. Der Vater gesteht im Gericht in Wiener Neustadt (NÖ).

Der Prozess verlangt allen Beteiligten Nerven ab. Immerhin sind zwei Kinder tot, die sicher keine Schuld daran hatten, dass ihre Eltern das Eheleben nicht auf die Reihe gekriegt haben. „Was können die Kinder dafür?“, schreit einer ihrer Verwandten den Angeklagten an, „du sprichst vom Islam, da ist Töten verboten!“ Eine Tante der Kinder schluchzt, als Richterin Birgit Borns die Tatwaffe hochhält: ein Küchenmesser, allein die Klinge ist 20,5 Zentimeter lang.

Dazwischen auf der Anklagebank sitzt ruhig der Familienvater – oder zumindest jener Mann, der einmal einer war. Am Morgen des 27. Oktobers 2019 tötete der Österreicher mit türkischen Wurzeln seine Lieben daheim in Kottingbrunn. Der Vorabend war nicht gut verlaufen, es hatte Streit gegeben, die Frau hatte ihm gesagt, dass sie sich scheiden ließe und die Kinder zu einer Pflegefamilie sollten.

„Merkte, wie sie ihre letzten Atemzüge tat“
So war der 32-Jährige früh aufgewacht. Er schnitt gerade Obst auf, als seine Frau ihn mit Windeln ins Schlafzimmer rief. Als er sie ihr gebracht hatte, sei sie „von null auf hundert“ böse gewesen: „Schleich dich!“, habe sie gesagt, ihn aus dem Schlafzimmer gestoßen. Da habe es ihm gereicht, er habe keinen Ausweg mehr gesehen und zugestochen. Er legte sie auf das Bett: „Dabei merkte ich, wie sie ihre letzten Atemzüge tat“, hatte er nach der Tat gesagt. Dann habe er der schlafenden Tochter zwei Stiche „gezielt ins Herz“ versetzt und den Sohn neben der toten Mutter erstickt.

„Wie geht das, wenn Sie in ihre süßen Gesichter schauen?“, fragt ihn eine Geschworene. „Ich könnte meinen Kindern niemals etwas antun“, sagt darauf der Angeklagte. „Sie haben sie umgebracht“, wirft Richterin Borns ein. „Ich weiß nicht, was an dem Tag los war“, antwortet er leise.

Er habe seine Frau nicht töten wollen, schon gar nicht die Kleinen, doch die hätten nicht in eine Pflegefamilie kommen sollen – und schon gar nicht in die Familie der Frau, denn die sei „finanziell am Boden“. „Verstehe ich Sie richtig? Besser tot als arm?“, fragt die Richterin. „Es gab noch andere Gründe“, so der Angeklagte. „Wir waren eine glückliche Familie“, erinnert er sich, „es war eine Liebesheirat.“

Glaube als Streitthema
Nach der Geburt der Kinder begannen die Streitigkeiten. Der Angeklagte beschrieb seine Frau als eigenständig und modern, den islamischen Glauben betreffend entgegen der restlichen Familie „in der Mitte“. Der Glaube sei Streitthema gewesen, auch Einmischungen von den Eltern beider Seiten. „Ich habe versucht, mich zu ändern, wie sie es wollte, aber es hat nichts geholfen“, sagt der 32-Jährige, der kurz vor der Tat auch gekündigt worden war.

Zuletzt habe sie nur Distanz gewollt, seine Annäherungsversuche verweigert, ihn beschimpft. Aber er sagt: „Ich konnte mir keine Trennung vorstellen, wir hatten auch schöne Zeiten.“ Am Vorabend sei sie besonders „komisch“ und abwehrend gewesen, da habe er auch das Gefühl gehabt, es sei ein anderer Mann im Haus gewesen ... Vertagt.

Silvia Schober, Kronen Zeitung

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