21.08.2020 09:07 |

Pilzexperte erklärt‘s

Schwammerl-Saison heuer besonders gut

Die Gebirgsgaue Pinzgau, Pongau und Lungau sind im Sommer ein Magnet für alle Pilzsammler. „Heuer gibt es so viele Schwammerl, da fällt man fast drüber“, erzählen Urlaubsgäste beim Waldcamping im Lungau. Das ist auch einer Hüttenwirtin in Großarl zu Ohren gekommen: „Ich höre überall, dass es heuer extrem viele gibt. Vor allem zahlreiche Herrenpilze und auch große Kaliber.“ Die gute Saison spiegelt sich auch auf der Salzburger Schranne wieder. Der Wochenmarkt versinkt regelrecht im Pilzangebot.

Warum das so ist, weiß Thomas Rücker, Mykologe im Haus der Natur. Wie gut die Pilzsaison wird, hängt nämlich von zwei Faktoren ab. „Zum einen dürfen die Frühjahrstemperaturen im März, April nicht zu tief sein“, weiß der Experte. Denn wenn es im Frühjahr mild ist, werden mehr Fruchtkörperanlagen gebildet. Und diese Anlagen sind ausschlaggebend dafür, wie viele Pilzblüten es geben wird. „Zum anderen entscheiden im Sommer die Niederschläge“, ergänzt Rücker. Wenn es so wie heuer - zusätzlich zu den milden Temperaturen im Frühling - dann im Sommer alle paar Tage einmal regnet, sind die Voraussetzungen also ideal für das Pilzwachstum.

Mit dem ersten Bodenfrost ist die Schwammerlsaison erledigt

„Ich habe auch schon Pfunde von Herrenpilzen im November gefunden“, erinnert sich der Mykologe. Aber wenn der Boden das erste Mal gefriert, ist die Pilzsaison der Eierschwammerl und Herrenpilze vorbei. Diese beiden Arten sind bei den typischen Sammlern am beliebtesten. In Salzburg soll es aber noch rund 5000 Weitere Pilzgattungen geben. „Bei vielen weiß man nicht, ob sie giftig sind, weil sie niemand isst“, so Rücker.

Pilze sind leichter verträglich, wenn sie gegart wurden

Laut Experten sind rohe Pilze für den menschlichen Körper gleich verträglich, wie Scampi, die mit der Schale gegessen werden. Denn auch Pilze enthalten Kitin. Daher empfiehlt Rücker, jegliche Art von Pilzen vor dem Verzehr zu kochen - auch Champignons. „Viele Aromen kommen auch erst durch das Braten heraus“, gibt er zu bedenken. Rohe Pilze können Verdauungsprobleme verursachen. Außerdem würden zehn Prozent aller Menschen laut Mykologe ohnehin keine Schwammerl vertragen. „Das Gesündeste an den Pilzen ist der Spaziergang in der frischen Luft. Denn der Verzehr ist weder besonders gesund, noch besonders nahrhaft“, weiß der Pilzexperte.

Daten und Fakten

  • In Österreich gibt es rund 10.000 Pilzarten - davon rund 5000 in Salzburg.
  • Zehn Prozent aller Menschen vertragen keine Pilze. Sie fühlen sich laut Experte nach dem Verzehr nicht wohl.
  • Ein allgemeines Kriterium, das einen giftigen Pilz von einem essbaren unterscheidet, existiert nicht.
  • Pilze zerstören sich selbst, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Der Pilzkörper, der gegessen wird, hat in der Natur lediglich einen Zweck: die Verteilung der Sporen.
  • Das „Krone“-Stimmungsbild ergab: Rund die Hälfte aller Befragten war heuer schon Schwammerlsuchen.
  • Pilze sind nicht vegan.
Karina Langwieder
Karina Langwieder
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