28.07.2020 19:00 |

Salzburger Festspiele

Regie und Dirigat brennen für Strauss-Oper Elektra

Am kommenden Samstag feiert Elektra, eine der meistgespielten Richard-Strauss-Opern, bei den Salzburger Festspielen Premiere. Nach der Orchesterprobe verrieten Dirigent Franz Welser-Möst und Regisseur Krzysztof Warlikowski, was ihnen an der gemeinsamen Arbeit am meisten Freude bereitet.

110 Musiker im Graben geben das wieder, was Richard Strauss so komplex komponierte. „Strauss spielt kalkuliert mit unseren Gefühlen“, schwärmt Dirigent Franz Welser-Möst über seine 83. Opernpremiere. „Dieser Klangrausch geht auf wie ein Soufflé!“ Auch mit der Besetzung der Elektra ist er höchst zufrieden. Aušrinė Stundyte gehe mit jeder Faser ihres Körpers in diese Rolle, in das Wechselbad der Gefühle, in diese kindliche, zerbrechliche Elektra, die glücklicherweise kein Racheweib mit Stahlstimme sei.

Ebenso tiefgehend ist die Partitur: Vom dreifachen piano bis zum dreifachen forte ist alles inbegriffen, schnelle Wechsel eine besondere Herausforderung. Karajan hat einmal gesagt, dass man die Elektra nach dem 60. Lebensjahr nicht mehr dirigieren solle. Das könne Welser-Möst als „alter Hund“ sehr gut nachvollziehen. Glücklicherweise schaffe er gerade noch die Kurve, feiert er doch im August seinen 60. Geburtstag in Salzburg.

Analyse und Reflexion

Manche sehen in der Arbeit von Star-Regisseur Krzysztof Warlikowski eine Familienaufstellung. Schließlich ist die Kunstwelt der damaligen Zeit von Freuds Psychoanalyse geprägt gewesen. Das ist offensichtlich in diese Inszenierung mit eingeflossen. Die vergangenen Monate der Pandemie haben in Warlikowskis Regiearbeit nicht allzu viel umgestoßen oder verändert. „Es ist einfach ein Reifungsprozess zur Reflexion gewesen“, sagt der polnische Künstler. Worin sich die beiden Elektra-Masterminds einig sind: „Salzburg ist ein idealer Platz für die Oper. Es ist ein familiäres Gefüge, in dem man sich gut aufgehoben fühlt. Das Beste daran: Man kann sich wochenlang intensiv mit einem Kunstwerk beschäftigen. Das sind wirklich Festspiele!“

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