24.07.2020 13:47 |

Studie zeigt:

Neandertaler hatten niedrigere Schmerzschwelle

Menschen mit einer bestimmten Genvariante des Neandertalers sind etwas schmerzempfindlicher als andere. Darauf deutet eine aktuelle Studie von deutschen und schwedischen Wissenschaftlern hin. Hintergrund sind neue Erkenntnisse über die Neandertaler-Variante eines speziellen Ionenkanals in Nervenzellen.

Ein solcher Ionenkanal spielt eine Schlüsselrolle beim Auslösen des elektrischen Schmerzimpulses, der an das Gehirn übertragen wird. Anhand von Daten aus einer umfangreichen Bevölkerungsstudie in Großbritannien konnten die Autoren der Studie nun zeigen, dass Menschen mit der Neandertaler-Variante des Ionenkanals mehr Schmerzen empfinden. Die entsprechende Genvariante erbten demnach insbesondere Menschen aus Mittel- und Südamerika, aber auch in Europa.

„Wie viel Schmerzen Menschen empfinden, ist vor allem von ihrem Alter abhängig“, erläuterte der Erstautor Hugo Zeberg, Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und am schwedischen Karolinska-Institut. „Menschen, die die Neandertalervariante des Ionenkanals haben, empfinden mehr Schmerzen - in etwa so, als wären sie acht Jahre älter.“

Genvariante führt zu niedrigerer Schmerzgrenze
Zeberg zufolge weist die Neandertalervariante des Ionenkanals drei Aminosäureunterschiede zu der üblichen „modernen“ Variante auf. Wenn Menschen alle drei Varianten in ihren Genen tragen, führe das zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit. Auf molekularer Ebene wird der Neandertaler-Ionenkanal demnach leichter aktiviert - was erklären könnte, warum Menschen, die diesen geerbt haben, eine niedrigere Schmerzgrenze haben.

„Ob Neandertaler mehr Schmerzen empfunden haben, ist allerdings schwer zu sagen, weil Schmerz außerdem sowohl im Rückenmark als auch im Gehirn moduliert wird“, erklärte Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Aber diese Arbeit zeigt, dass die Schwelle zur Auslösung von Schmerzimpulsen bei Neandertalern niedriger war als bei den meisten heute lebenden Menschen“, so der Forscher.

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