16.07.2020 07:07 |

Aufreger

Was hinter dem Aus der „SOKO Kitz“ steckt

Die am längsten laufende Krimiserie des ORF wird nun nach 20 Jahren abgesetzt - trotz guter Quoten werden Julia Cencig, Jakob Seeböck & Co. suspendiert.

„Darf denn das wahr sein?“, fragen sich da die Fans der seit 2001 laufenden Alpenkrimiserie “SOKO Kitz", die auch im 19. Jahr ihres Bestehens gute (und zuletzt stärkere) Quoten liefert und nun eingestellt wird. „Nein, darf es nicht“, wird da hinter vorgehaltener Hand der „Krone“ berichtet. Hier die Fakten:

  • Co-Produktionspartner ZDF will die „SOKO“-Familie „auf Vorabend-Schiene“ bringen. In Deutschland will man weg vom ländlichen Krimitreiben in den Bergen. Die „SOKOs“ haben „urban“ zu sein - d. h., das Kitz-Team wird aufgelöst, in Serien-Pension geschickt und in einer neuen Stadt (Linz? Graz?) durch ein neues Team ersetzt - Gebhard-Film (seit 2017 an Bord) fungiert weiterhin als Produzent.
  • Es wird billiger: Die vergleichsweise höheren „SOKO Kitz“-Kosten (u. a. viele Außendrehs) sind dem ZDF ein Dorn im Auge, „es wird billiger, und das wird man auch sehen“, so ein Insider.
  • Der ORF bedauert das Aus nicht offiziell, gibt sich in Hinblick auf den Co-Produktionspartner neutral: „Mit der letzten Staffel von ,Soko Kitzbühel‘ geht eine Ära zu Ende. Es gilt von der am längsten laufenden Serie im ORF genauso Abschied zu nehmen wie von einem umwerfenden Team vor und hinter der Kamera“, so das knappe Statement von ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner.
  • Fakt ist, dass in den Augen von Channelmanagerin Lisa Totzauer die „SOKO“ für ORF 1 zu „altfadrisch“ ist, auf Fiction dort weniger Wert gelegt wird: Mit dem „SOKO Kitz“-Aus bricht dem im Sinkflug befindlichen 1er-Kanal künftig ein wesentlicher Quotenbringer weg.
  • Auch die Zukunft der „SOKO Donau“ (bzw. „SOKO Wien" im ZDF) ist keine rosige: Dort wurde bereits auf ZDF-Druck Co-Cop Michael Steinocher abgesetzt (Nachfolger ist Andreas Kiendl). Auch hier will das ZDF einsparen: Einsätze außerhalb Wiens sind gestrichen - trotz Quotenerfolg ist es wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis Stefan Jürgens, Lilian Klebow & Co. ihren Dienst quittieren.

Fazit: Es darf bezweifelt werden, dass der Austausch eines erfolgreichen, beliebten Krimiteams durch ein hipperes? urbaneres? sowohl ORF 1 als auch ZDF neues junges Zielpublikum zuführt. Dieses bedient sich ohnedies schon längst bei PRO 7, Netflix & Co. Die Sender wären besser beraten, auf die Wünsche ihrer Seher (ganz einfach abzulesen an den Quoten) einzugehen, als sich nach Trends und Analysen zu strecken.

Stefan Weinberger, Kronen Zeitung

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