09.06.2020 22:29 |

Dramatische Lohnschere

Corona-Krise trifft Frauen besonders hart

Die wirtschaftliche Situation von Frauen und ihre finanzielle Unabhängigkeit gerät aufgrund der Corona-Krise weiter unter Druck. In Österreich sind bereits jetzt die Pensionen von Frauen deutlich geringer als jene von Männern - hierzulande klafft gar die viertgrößte Pensionslücke der EU. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag von der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) veröffentlichte Untersuchung.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit und die vermehrte Übernahme von schlecht entlohnter und unbezahlter Pflegearbeit werde sich negativ insbesondere auf die Altersvorsorge auswirken, schreiben die beiden Autorinnen Christine Mayrhuber (Wifo) und Ingrid Mairhuber (FORBA).

Deutlicher Geschlechtsunterschied
Österreich hat derzeit bereits mit 38,7 Prozent den vierthöchsten Geschlechterunterschied bei den Pensionen innerhalb der EU. Schon jetzt haben Frauen in der Europäischen Union im Durchschnitt laut der Untersuchung um 30 Prozent niedrigere Pensionen als Männer. Die Länderunterschiede reichen von 43,1 Prozent in Luxemburg bis 1,1 Prozent in Estland. Geringere Gehälter für Frauen erklären nach Angaben der Autoren 55 Prozent der Pensionskluft. 41 Prozent seien auf die geringere Lebensarbeitszeit zurückzuführen, vier Prozent auf die unterschiedlichen Versicherungszeiten durch Arbeitslosigkeit und Kinderbetreuung.

Kluft in ganz Europa
In der EU haben 6,2 Prozent der Frauen zwischen 65 und 74 überhaupt keine Pensionsansprüche, heißt es in der Untersuchung weiter. In Österreich ist dieser Anteil deutlich höher: 18,4 Prozent der Frauen über 65 Jahre haben laut der Untersuchung keine Pensionsansprüche. Nach Abzug von Hinterbliebenenrenten betrage dieser Anteil noch immer 11,4 Prozent, bei Männern nur 0,6 Prozent. Auch in Malta (34 Prozent), Spanien (27 Prozent), Belgien (17 Prozent), Irland (16 Prozent) und Griechenland (13 Prozent) haben große Anteile der weiblichen Bevölkerung keine Pensionsansprüche.

Höhere Einkommen notwendig
In Österreich komme noch die unterschiedliche Höhe der Pensionen erschwerend für Frauen hinzu, schreiben die Autorinnen. Nach OECD-Daten haben Frauen eine um 42 Prozent geringere Pension als Männer, laut Eurostat beträgt die Kluft bei den Über-65-Jährigen 38,7 Prozent.

Ohne deutlich höhere Einkommen für Frauen würden Arbeitslosigkeit und Einkommensunterschiede zu weiteren Pensionsunterschieden in der Zukunft führen, schreiben sie. Es brauche langfristige Maßnahmen, kurzfristige Ad-hoc-Reformen würden das Pensionssystem gar unzuverlässiger machen. Durch den Anstieg untypischer Beschäftigungsverhältnisse müsste zudem der Gender-Gap und die Anerkennung von unentgeltlicher Pflegetätigkeit besonders berücksichtigt werden.

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