18.05.2020 14:00 |

Nachfrage groß

Innsbrucker „Tafel“ nach Zwangspause wieder offen

Die „Tafel“ des Roten Kreuzes Innsbruck ist nach der Zwangspause wegen Corona wieder uneingeschränkt für Menschen mit knappem Haushaltsbudget da. Beim ersten Einkauf schwangen viele Ängste vor der Zukunft mit.

Samstagabend, die Geschäfte haben längst geschlossen. Nicht alle! Am Sillufer 3a in Innsbruck sperrt nach wochenlanger Corona-bedingter Pause ein besonderer Laden wieder auf – die „Team Österreich Tafel“ des Roten Kreuzes Innsbruck.

19 Tafeln in ganz Tirol
Hinter dem Begriff Tafel steht ein ehrenwertes Konzept: Der Kampf gegen die Wegwerfmentalität. Hier werden gute Lebensmittel, die im Handel nicht mehr verkauft werden können, an jene verteilt, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Derer gibt es auch im reichen Tirol mehr als viele glauben wollen. 19 Tafeln gibt es mittlerweile zwischen Lienz und Zams. Jene in Innsbruck ist eine der größten Verteilstellen. „Wir sind so froh, wieder öffnen zu können. In den vergangenen Wochen haben wir zwar Notpakete verteilt, aber jetzt können wir wieder das volle Angebot bieten. Die Verteilstelle ist ja auch ein sozialer Treffpunkt.“ Jasmin Dietrich, Leiterin der Tafel in Innsbruck, ist die Freude über den Neustart anzusehen. Wie alle ihre Kollegen steht auch sie Samstag für Samstag ehrenamtlich hier und füllt Regale. Woche für Woche verteilen die insgesamt 67 Ehrenamtlichen mehr als zwei Tonnen Lebensmittel an Menschen mit knappem Budget. „Es kommen Mindestrentner, junge Mütter, Großfamilien“, zählt Dietrich auf.

„Die Welt ist verrückt“
Einer der Ersten, die nach der Zwangspause wieder vorbeischauen, ist Pensionist Albert Janko. „Mit meiner Mindestpension kann ich mir vieles nicht leisten. Hier finde ich wunderbare Sachen, die sonst weggeschmissen werden“, deutet Janko auf die vollen Regale. „Unsere Welt ist schon verrückt. Vielleicht wird den Menschen das durch Corona wieder mal bewusst.“

Mehr Hilfe gebraucht
Mit Schutzmaske und Abstand werden die Besucher durch die Gänge begleitet. Immer mehr Menschen kommen. Rupert Stöckl, Obmann des Roten Kreuzes Innsbruck, glaubt, dass die Tafeln in den nächsten Jahren noch wichtiger werden: „Mehr als 100.000 Tiroler sind armutsgefährdet. Die Krise wird viele Familien erschüttern. Es wird mehr Hilfsangebote brauchen.“ „Und mehr Freiwillige, die helfen“, ergänzt Koordinatorin Dietrich. Ihr hat das Ehrenamt doppelt Glück gebracht. Beim Roten Kreuz Innsbruck hat sie ihren Mann Dominic kennengelernt. An diesem Wochenende sollte eigentlich ihre kirchliche Hochzeit stattfinden. Die ist verschoben. Hilfseinsatz statt Hochzeitstanz - das Paar ist trotzdem glücklich.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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