06.05.2020 06:00 |

Album „Wunderlich“

Fritz S.: Autodidakt im Austropop-Fieber

Im 40. Lebensjahr wagt sich der steirische Leidenschaftsmusiker Fritz S. an ein Debütalbum. „Wunderlich“ vermischt die Grundessenz des Austropop mit US-Flair und aus dem Leben gegriffenen, authentischen Texten - alles ganz ohne Corona-Mief. Dazu gibt es auch noch eine steirische Version von Britney Spears zu hören.

Manche erinnern sich, viele werden es vielleicht gar nicht wissen - Rolling-Stones-Frontzunge Mick Jagger verdingte sich einst als Eisverkäufer, KISS-Marketinggenie Gene Simmons streckte sein Schleckorgan anfangs als Fahrer aus New Yorker Taxis, Moby trug den großen Golfern als Caddy ihre Schläger hinterher und Ozzy Osbourne verdingte sich seine Miete als Metzger im industriell-kühlen Birmingham. Insofern ist es also wenig verwunderlich, dass Fritz S. eigentlich nicht Musiker, sondern Nachrichtenredakteur und passionierter Aikidolehrer ist.

„Wunderlich“ nennt er sein Debütalbum und wunderlich bleibt er - egal was im Leben auch so passieren mag. So beschreibt sich der Steirer auf dem Titeltrack, der durchaus als Fundament der acht Eigenkompositionen angesehen werden darf, und nennt sich nebenbei „ein bissl deppat“. Deppat, weil er sich ein Album zutraute. Darauf führen fließende Melodien mit Lebensbeobachtungen und Eigenerfahrungen zu einem authentischen Ganzen.

Fendrich bis Johnson
Dass dort auch mit Piano und nicht nur mit der Sechssaitigen gespielt wird, ist aber eher eine Seltenheit. Fritz S. liebt seine Klampfe und setzt sie des Öfteren gewinnbringend ein. Mit „Wia Da Regen“ leitet er das Werk mit einer hoffnungsfrohen Botschaft ein. „I hob so vü Angst, vorm Tod und vorm Leben / ka Zeit zum verlieren und kane zu geben. I hob so vü Angst, vorm Tod und vorm Leben / kann mi net hoitn und falln - wia da Regen“. Beziehungsprobleme und Liebeserfahrungen stehen im Mittelpunkt, eine Stimmungsaufnahme direkt aus dem Leben, wie sie jeder kennt. So, oder ähnlich. Rainhard Fendrich stand vor allem bei den ersten Songs eindeutig Pate, mit dem reinen Instrumentaltrack „Ballade Für Joe“ verlässt Fritz S. die Austropop-Pfade dann aber deutlich, um sich irgendwo zwischen Country-Pfaden und einer „Cliffs Of Dover“-Rhythmik einzuordnen.

„Net So Schwer“ geht eindeutig als Durchhalte- und Motivationshymne durch, während ein Song wie „Mona“ eine liebevolle Ode an die Kindesliebe ist. Der Autodidakt, der sich Instrumente und Gesang quasi selbst beigebracht hat, versammelt insgesamt acht Songs mit mehr oder weniger stark steirischem Idiom, die sich über einen langen Zeitraum zusammengesammelt haben und dem Hörer eine Reise durch die Gedankengänge und den Erfahrungsreichtum des Interpreten anbietet. Wem die Texte auf dem Album zwischendurch vielleicht etwas zu ernst sein könnten, der wird am Ende mit dem Bonustrack „Oh, Madl“ verwöhnt - nichts anderes als eine eingesteirerte Coverversion des Britney-Spears-Smashhits „Hit Me Baby One More Time“.

Bedroom-Austropop
Fritz S., der sich vor zwei Jahren dazu entschloss, an einem kompletten Album zu arbeiten, veröffentlicht sein Debüt im stolzen Alter von 39, hat aber gerade deshalb die nötige Lebenserfahrung, um die Inhalte der Songs auch von pubertären Peinlichkeiten fernzuhalten. „Wunderlich“ ist eine bunte Mischung aus selbstgebastelten Ideen, die beim Hören manchmal etwas Geduld und Toleranz einfordern („Flammenchor“), dann aber auch wieder voll überzeugen können und zum Sinnieren bezüglich des eigenen Daseins anregen („Glas‘l, Zeit Und Himmel“). Eingespielt hat Fritz S. sein Debüt übrigens im eigenen Schlafzimmerstudio, veredelt wurde das Werk von professioneller Kollegenschaft im beschaulichen Mühlviertel. Bleiben noch zwei Fragen offen: 1. Wann kommt die im Pressetext angedeutete Platte mit englischen Texten? 2. Wann wird es nach dem Corona-Chaos Live-Konzerte geben?

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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