22.04.2020 08:00 |

Heime als Sorgenkinder

Kein einziger Corona-Fall in 142 Tiroler Gemeinden

Die Mehrzahl der insgesamt 279 Tiroler Gemeinden sind nun aktuell ohne einen Coronavirus-Infizierten. Abseits der Wintersportorte sind Altenwohnheime die Sorgenkinder. Kirchbichl und Ebbs sind deshalb auf vorderen Plätzen bei Erkrankten, die „Krone“ sprach mit den Bürgermeistern.

Der Blick in die nackten Statistik-Zahlen nährt die Zuversicht: Dank sinkender Tendenz sind nun mehr als die Hälfte der Tiroler Gemeinden - zumindest laut den Testungen - frei von Corona. In weiteren 60 Gemeinden ist jeweils nur eine einzige Person betroffen. Mehr als zehn Erkrankte sind es lediglich in zwölf Tiroler Orten, meist in Wintersport-Hochburgen (in St. Anton 100 Fälle, in Ischgl 52 und in Sölden 38).

Lage in Kirchbichl
Doch es gibt auch Ausnahmen: Mit 20 Infizierten lag am Dienstag das nicht-touristische Kirchbichl auf Platz fünf bei den Gemeinden. „Wir haben ein großes Altenheim für rund 100 Bewohner, allein dort gab es rund ein Dutzend Fälle“, erklärt Bürgermeister Herbert Rieder. Wie auch anderswo ist unklar, wie das Virus ins Heim eingeschleppt wurde. „Schon vor der entsprechenden Verordnung durch das Land ließen wir keine Besucher mehr hinein, alle wurden nun schon zwei- oder gar dreimal getestet und die Situation hat sich mittlerweile beruhigt“, atmet der Gemeindechef auf.

Kontakt via Sprechanlage
Eine zentrale Frage dreht sich derzeit darum, den Bewohnern und Angehörigen nach wochenlanger Abschottung wieder näheren Kontakt zu ermöglichen. „Wir überlegen Besucherboxen, in denen man durch eine Glasscheibe getrennt, aber mit einer Sprechanlage verbunden ist“, schildert Rieder. Ähnliche Lösungen kündigte der Pflegeheim-Betreiber SeneCura an.

Lethargie und Tränen durch Abschottung
„Solche Kontakte sind nach sechswöchiger Isolation dringend notwendig“, ergänzt der Ebbser Bürgermeister Josef Ritzer. Sein Ort liegt aktuell auf Rang acht bei den Infizierten-Zahlen. Auch im Ebbser Heim gab es unter knapp 100 Bewohnern rund ein Dutzend Corona-Patienten und ein Todesopfer. Ein Drittel der Fälle betraf Mitarbeiter. Ritzer beobachtet, dass Bewohner bereits in Lethargie zu verfallen drohen oder in Tränen aufgelöst seien, weil Kinder oder Enkel nur am Telefon „greifbar“ sind.

Unterhaltung massiv beeinträchtigt
Weil das Heimprogramm (Singen, Basteln, Filmvorführungen) wegfalle und die beiden Ergotherapeutinnen nicht arbeiten dürfen, sei der Leidensdruck hoch. Der Alltag im Heim ist generell kompliziert - etwa mit Schleusenbetrieb zwischen Küche und Essensausgabe oder Reinigungspersonal und Wäscherei. Daran, so fürchtet Ritzer, werde sich auch noch länger nichts ändern.

Andreas Moser
Andreas Moser
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