15.04.2020 10:30 |

Große Herausforderung

Corona: Rotes Kreuz Tirol zieht Zwischenbilanz

Seit dem 23. Februar ist das Rote Kreuz Tirol mittlerweile im Corona-Einsatz. Nun wird eine erste Zwischenbilanz gezogen. Viele Abläufe hätten sich inzwischen eingespielt, „manche müssen noch besser strukturiert werden.“ Ziel sei es jedenfalls, schrittweise zurück zur „Normalität“ zu finden.

„Als am 23. Februar ein Zug aus Italien am Brenner aufgrund eines Corona-Verdachtfalls gestoppt wurde, dachten wir zunächst, dass derartige Ereignisse unsere Herausforderungen im Rahmen der Corona-Krise darstellen werden“, sagt Andreas Karl, Leiter des Einsatzstabes beim Roten Kreuz Tirol. Die Corona-Entwicklung, welche Tirol in den darauffolgenden Wochen bis heute genommen hat, ist bekannt und hat das Rote Kreuz mit zahlreichen neuen Aufgaben bedacht.

Seit Wochen im Stabsbetrieb
Am 11. März hat das Rote Kreuz auf den Stabsbetrieb umgestellt. „Wir haben zunächst im Landesverband Tirol einen integrierten Stab hochgefahren. Dieser setzt sich aus Mitarbeitern des Landesverbandes Tirol, des Rettungsdienstes sowie des Landesrettungskommandos zusammen. Zudem wurden in den Bezirken Teilstäbe eingerichtet und vier Meldesammelstellen besetzt. Eine in Kufstein, eine in Innsbruck, eine in Telfs und eine im Landesverband direkt“, erläutert Karl. Ein Stabsbetrieb sei für die Bewältigung eines Einsatzes unumgänglich, führt der stellvertretende Landesrettungskommandant, Martin Dablander, aus: „Nur so lässt sich ein Großereignis wie die Corona-Pandemie strukturiert und damit effizient abarbeiten.“

Komplexität und Dynamik als Herausforderung
Im Vergleich zu vielen anderen Einsätzen zeige der Corona-Einsatz durchaus einige anspruchsvolle Besonderheiten. „Zum einen ist es die Weitläufigkeit. Es ist ein globales Einsatzgeschehen, ganz Österreich und nahezu alle Organisationen sind betroffen, ebenso alle Menschen. Das macht den Einsatz sehr komplex und erfordert tagtäglich unzählige Abstimmungsprozesse auf Bundes-, Landes- und auf lokaler Ebene“, schildert Karl und ergänzt: „Zum anderen verlief der Einsatz zu Beginn außerordentlich dynamisch und nimmt auch heute noch immer wieder spannende Wendungen. Das führt dazu, dass wir als Rettungsorganisation gefordert sind, sehr rasch Lösungen anzubieten“.

Schutz und Hygiene als Erfolgsfaktoren
Für Thomas Fluckinger, Chef- und Stabsarzt des Roten Kreuzes Tirol, stand der Schutz der eigenen Mitarbeiter und der Patienten „immer an erster Stelle“. „Gleich zu Beginn haben unser Hygienebeauftragter des Roten Kreuzes, Martin Lidl, und ich Schutz- und Hygieneprozesse entwickelt und diese mit zunehmenden Fallzahlen kontinuierlich verschärft. Auch die Hygienebedingungen in den Wachen wurden verbindlich definiert, auf die gründliche Flächendesinfektion der Rettungsmittel höchstes Augenmerk gelegt. Das primäre Ziel war es, die Mitarbeiter im Rettungsdienst gesund zu erhalten und dies ist uns weitgehend sehr gut gelungen. So ist es bisher zu keiner Zeit zu kritischen Mitarbeiterausfällen gekommen.“

Materialien derzeit vorhanden
Schutzmasken, Schürzen, Handschuhe oder Desinfektionsmittel werden in sehr hohen Mengen benötigt, insbesondere im Bereich der Masken sei es zu Engpässen gekommen. Das Rote Kreuz ist mit Unterstützung der Feuerwehr und der Bergrettung im Auftrag des Landes Tirol für die Lagerhaltung, Kommissionierung und Auslieferung der Materialien für fast 2.000 Endkunden zuständig. „Die Lagerbestände sind derzeit gut“, sagt der stellvertretende Einsatzleiter, Martin Dablander. „Auch die Kommissionierung läuft gut, allerdings müssen Teile des Beschaffungsweges noch besser durchdacht werden und reibungsloser ablaufen, bevor man von einer langfristig guten Lösung sprechen kann“.

Rettungsdienst mit geänderten Schwerpunkten
Der Rettungsdienst in Tirol sei jedenfalls flächendeckend gesichert. Die Zahl der Krankentransporte sowie Notfalleinsätze sei in den vergangenen Wochen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. „Unsere Mitarbeiter konnten so gut für Screenings abgestellt werden und waren natürlich stark in den Bereich der COVID-19 Patiententransporte involviert“, sagt Andreas Karl. Mit der Lockerung der Ausgangsbestimmungen stiegen die Einsätze leicht an. Karl: „Wir rücken wieder öfter zur Versorgung von Menschen aus, die einen Freizeitunfall hatten.“ Auch das derzeit  massive Brandgeschehen in ganz Tirol lässt die Einsatzbilanz beim Roten Kreuz steigen.

Mit zunehmender Einsatzdauer festigen sich die Strukturen und werden Abläufe klarer. „So manches läuft routiniert und geregelt ab“, ziehen die Rotkreuz-Einsatzleiter und der Stabsarzt Zwischenbilanz. Doch Karl, Dablander und Fluckinger gehen davon aus, dass der Einsatz noch nicht so bald beendet sein wird.

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