11.04.2020 12:32 |

Im Schatten von Corona

Tirol: Kraftwerksbau im Eiltempo sorgt für Protest

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, das Flüsse zunehmend wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden sollen. Nun sorgt der Baustart eines Wasserkraftwerks trotz laufender Corona-Krise für Kritik. Der Vorwurf von Umweltschützern: Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen werden ausgenutzt, um den Bau schnell umzusetzen. Eine Online-Petition fordert den sofortigen Baustopp von der Tiroler Landesregierung - über 17.000 Menschen haben diese bereits unterzeichnet.

Nur noch ein Drittel der Flüsse weltweit ist frei von Staudämmen oder Regulierungen. Alleine in Österreich werden die Fließgewässer durchschnittlich alle 1000 Meter durch Querbauwerke unterbrochen. Aufgrund dieser massiven Eingriffe in die Ökosysteme fürchten Kritiker nicht nur einen Verlust der Artenvielfalt, sondern auch eine mögliche Verschlimmerung künftiger Hochwasser.

Rechtskräftige Bewilligung fehlt
Aktuell lösen Baumaßnahmen an der Ötztaler Ache Sorge bei Umweltschützern aus. Am 13. März wurde bekannt, dass am Flussabschnitt bei Tumpen-Habichen mit Baggerarbeiten für ein neues Wasserkraftwerk begonnen wurde. Die Ötztaler Wasserkraft GmbH rechtfertigte diese Maßnahme damit, einen gültigen Naturschutzbescheid nicht verfallen lassen zu wollen. Umweltschutzverbände fühlen sich durch den für sie überraschenden Baustart vor den Kopf gestoßen. Eine Klärung der rechtlichen Fragen sei noch offen, eine rechtskräftige Bewilligung stehe überhaupt noch aus, erklärte etwa der WWF.

Proteste aufgrund von Ausgangssperren nicht möglich
Die Kritik betrifft auch direkt die Bestimmungen zur Corona-Eindämmung. Da das Kraftwerksprojekt von Beginn an auf Widerstand stieß, laufen die Ausgangsbeschränkungen aktivem Protest durch die Bevölkerung zuwider, so die Kritik. Um dauerhaften Schaden an Umwelt und Natur vorzubeugen, hat der WWF daher beim Landesverwaltungsgericht Tirol die Einstellung der Bautätigkeiten bis zur Klärung aller offenen Rechtsfragen beantragt.

Widerstand ins Internet verlagert
Mit einer Online-Petition wendet sich nun auch eine Bürgerinitiative vor Ort direkt an Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). Die Forderung: Das Kraftwerk darf nicht gebaut werden. Mehr als 17.000 Menschen haben dazu bereits ihre digitale Unterschrift hinterlassen, Tendenz weiter steigend. „Eine einmalige Flusslandschaft geht für immer verloren und die Tausenden Kritiker dieses Projektes dürfen ihre Gemeinden nicht verlassen, geschweige denn in der Öffentlichkeit dagegen protestieren“, erklärt Marianne Götsch, Gewässerschutzexpertin von WWF Österreich.

Politik gefordert
Trotz der ökologischen Bedenken sollen in den kommenden Jahren mehrere Hundert neue Kleinwasserkraftwerke in Österreich gebaut werden. Dabei liefern diese derzeit gerade einmal vier Prozent des gesamten Wasserkraft-Stroms - der Großteil stammt aus Kraftwerken wie jenen an der Donau. Nur elf Prozent der Gewässer seien noch intakt, so die Expertin. Auch die Ötztaler Ache solle daher vor einem weiteren Verbau geschützt werden.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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