03.04.2020 18:30 |

„Tue dein Bestes“

Corona-Krise: Ein Plädoyer für den Hausverstand

Seit drei Wochen Ausnahmezustand, Tirol isoliert. Und noch kein Ende in Sicht. Die Ungeduld wächst. Motivierende Gedanken eines Tirolers, der zur Risikogruppe gehört...

Günther Leipelt aus Ellbögen sitzt vor dem Haus. Er lässt den Blick über Autobahn, Landes- und Bundesstraße schweifen. „Ein Lkw – sonst nichts. Wer hätte sich das vor ein paar Wochen gedacht“, fasst der 71-Jährige seine private Verkehrszählung zusammen. „Zumindest die Ruhe und die gute Luft sind derzeit Pluspunkte“, meint Leipelt.

Notorischer Optimist
Ein notorischer Optimist. Einer, der mit dem oft unterschätzten Hausverstand an die Sache herangeht: „Wer die Berichte aus anderen Ländern verfolgt hat, konnte sich ausrechnen, dass Österreich nicht verschont bleiben wird.“ Eine Erkenntnis, die unter den Fachleuten nicht alle hatten. Leipelt und seine Frau zogen sich schon Tage vor der verordneten Isolation zurück.

Nicht herausfordern
Als 71-jähriger Diabetiker gehört er zu einer sogenannten Risikogruppe. Leipelt selbst sieht es nüchtern: „Ich bin ansonsten gesund. Panik habe ich keine. Aber ich fordere es nicht heraus. Auch aus Rücksicht auf andere.“ Er erzählt von der Hilfe in der Familie. Die Kinder stellen die Einkäufe vor die Tür. „Mein Sohn wohnt nicht im Ort. Ich habe ihm eine Bestätigung geschrieben, falls ihn die Polizei aufhält.“ Pragmatismus, um Konflikte zu vermeiden.

Sorge um andere
Leipelt erzählt von seiner Frau Traudl, die sich mit Gymnastik und Handwerk fit hält. „Wir gehen spazieren. Einsamere Wege als sonst, aber keine gefährlichen. Wir haben einen Garten. Wir sind privilegiert.“ Der 71-Jährige ist sich dessen bewusst. Sein Mitgefühl, seine Sorge gilt den Familien in kleinen Wohnungen ohne Balkon, den Einsamen und Kranken, jenen, die ihren Job verloren haben. Er erwähnt die, die das Land am Laufen halten: „Es mögen Fehler passieren. Aber ich sehe so viel Bemühen und Gutes! Wir können froh sein, in Österreich zu leben.“ Der Ellbögener hat die ganze Welt bereist. Er weiß, wie Epidemien in weniger entwickelten Ländern wüten.

Durchhalten lautet die Parole. Leipelts Hausverstand sagt ihm: „Akzeptiere das Unvermeidbare. Tue dein Bestes. Vergiss nicht auf die, denen es schlechter geht.“

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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