02.04.2020 06:00 |

Neues Coveralbum

Kandace Springs: Die Macht der starken Frauen

Nach zwei famosen Alben zollt die US-Soulstimme Kandace Springs auf „The Women Who Raised Me“ ihren großen weiblichen Idolen Tribut. Eine fein zusammengestellte Vergangenheitsrückschau, die aber auch Platz für Modernes lässt. Wir sprachen mit der 31-Jährigen über das Werk, ihre Einflüsse und ihren Karriere-Kickstart durch den legendären Prince.

Ella Fitzgerald, Diana Krall, Nina Simone, Lauryn Hill, Norah Jones oder Billie Holliday - Liebhabern gediegener Tonkunst werden diese Namen wie Eis auf der Zunge zergehen. Powerfrauen aus mehreren Generationen, die mit ihren Songs nicht nur die Musikwelt, sondern auch die Emanzipation, den Feminismus und nicht zuletzt das gesellschaftliche Denken mitgeprägt haben. Frauen, die sich teils zu Lebzeiten, teils posthum, ein Denkmal setzten und auf ewig zu den ganz Großen in der Unterhaltsmusik zählen werden. „The Women Who Raised Me“ nennt sich folgerichtig das dritte Album der US-Sängerin Kandace Springs, die sich mit diesem Projekt einen Lebenstraum erfüllte und all ihren großen Ikonen Tribut zollte. Ihre „ultimative Inspirationsquelle“, Norah Jones, ließ sich sogar dazu überreden, aktiver Teil dieses ambitionierten Werkes zu werden.

Kein Versteckspiel nötig
„Dieses Album wollte ich schon immer machen“, lässt sich die 31-Jährige von ihrer Plattenfirma Blue Note zitieren, „es drückt meine Liebe zu all diesen großartigen Sängerinnen aus und zeigt auch meine Dankbarkeit, die ich verspüre. Jede dieser großen Künstlerinnen hat mir auf meinem musikalischen Weg etwas anderes beigebracht und wenn ich all diese Einflüsse zusammenmische, dann ergibt das genau die Person, die ich heute bin.“ Gerade die Zusammenarbeit mit ihrem Idol Norah Jones hinterließ Springs anfangs sprachlos. Das atemberaubende Duett bei der Fitzgerald-Nummer „Angel Eyes“ kann auch getrost als eines der großen Highlights des Albums bezeichnet werden. „Ich konnte anfangs gar nicht fassen, dass sie da im Studio neben mir saß, aber habe mich zum Glück rechtzeitig eingekriegt“, erinnert sie sich zurück. Die im Studio live eingespielten Songs spiegeln Vergangenheit und Gegenwart von Kandace wider. Und zeigen eindrucksvoll, dass sie sich längst nicht mehr vor den großen Namen verstecken muss.

Ganz risikofrei ist so ein Vorhaben natürlich nicht, denn Springs wäre nicht die erste gewesen, die sich an den opulenten Ikonen verheben hätte können. Doch gerade bei Songs wie Sades „Pearls“ oder „Solitude“ von Carmen McRae begeistert sie nicht nur mit unbändiger Leidenschaft, sondern auch mit einer perfekten Stimmlage. Die würdevolle Umsetzung der Songs diverser Jazz- und Soulgrößen deutet jedenfalls stark darauf hin, dass auch ihre eigene Karriere weiterhin im Raketentempo nach oben schnellt. Schließlich zeigte sie schon auf ihren beiden ersten Alben „Soul Eyes“ (2016) und „Indigo“ (2018), dass in ihr mehr als nur ein vielversprechendes Talent für die Zukunft steckt. „,Indigo‘ war ein Album, das meine Lebensreise vom 17. Lebensjahr bis in die Gegenwart beschrieb“, erinnert sie sich im Gespräch mit der „Krone“ zurück, „ich habe dort auch einen Song mit meinem Vater gesungen, vor seinem Herzinfarkt. Für mich sind all diese Nummern einfach irrsinnig emotional.“

Schuss ins Herz
Schon immer ging es der Vollblutmusikern aus dem Musikmekka Nashville darum, die klassischen Songs ihrer Idole in die Moderne transferieren zu können, ohne ihnen die Originalität und das besondere Gefühl zu nehmen. Über die Jahre hat sich auch Springs‘ Musikgeschmack weiterentwickelt. Pop oder R&B sind längst keine Fremdworte mehr in ihrem persönlichen Klangkosmos. „Die Musik muss immer aus dem Herzen kommen. Das ist eigentlich alles, was zählt. Wenn das Gefühl passt, dann kann ich auch einen Country-Song machen. Ich versuche Geschichten zu erzählen, wie es Lauryn Hill macht und ich versuche Ideen so umzusetzen, wie Ella Fitzgerald das vielleicht getan hätte. Der Soul ist mir die wichtigste musikalische Zutat, aber im Endeffekt muss dich ein Song einfach mitten im Herzen treffen. Wenn das passiert, dann ist er automatisch gut gelungen.“

Das Vertrauen in die eigene Kunst ist bei Springs über die Jahre vehement gestiegen. Musste sie sich anfangs noch erklären und für ihre Freiheiten kämpfen, hat sie sich längst so emanzipiert, dass man ihr den nötigen musikalischen Raum zugesteht. Für Künstler ist diese Art von Vertrauen schlussendlich das Um und Auf, um auch entspannt kreativ zu sein. Ihre Karriere hat märchenhafte Züge, war es nicht zuletzt der legendäre Prince, der sie schon 2014 zum Jammen in den Paisley Park lud. Sehr lange, bevor die große Welt Notiz von ihr genommen hatte. „Deshalb war ,Indigo‘ in gewisser Weise auch eine Hommage an ihn“, erinnert sie sich an ihren Mentor zurück, „er hat mir schon am Anfang immer gesagt, ich soll mit meiner Stimme nicht übertreiben und lieber meinem Gefühl vertrauen. Mein Dad gab mir ähnliche Ratschläge und was soll ich sagen? Die beiden hatten mit allem recht.“

Abstand mit Autos
Was sich nach außen hin als reines Coveralbum darstellt, ist für Kandace Springs nur ein weiteres logisches Kapitel in ihrer noch jungen und florierenden Karriere. Eine von Selbstbestimmung und Leidenschaft durchzogene Langrille, die ihr selbst Freude machte und anderen Freude bereitet. Bei all der fragilen Kreativität, die ihr Leben durchzieht, sind ihre anderen Interessen durchaus speziell. „Einerseits liebe ich es, an alten Autos zu schrauben. Ich hatte mal acht, jetzt sind es noch fünf“, lacht sie, „ich tune sie auch gerne und bastle herum. Wenn ich eines kaufe, geht es weniger um die Marke und mehr darum, ob es mich anspricht. Für mich ist Autofahren und daran arbeiten pure Entspannung. Außerdem spiele ich in der US-Women’s-League in Nashville Fußball. Ich in meinem Team Stürmerin, habe den Speed von meinem Vater geerbt. Leider bleibt mir dafür nur wenig Zeit.“ Wir hoffen in erster Linie, dass wir die zarte Stimme aus Nashville auch bald einmal live in Österreich sehen können.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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