29.03.2020 08:59 |

Kommunikation sei zäh

Hausarzt kritisiert Behörden-Infos zu Corona-Tests

Hausärzte bekommen Informationen zu Testergebnissen von Patienten derzeit nur über Umwege. Der Vize-Chef der Ärztekammer übt Kritik. Das Land verweist auf die geltenden Gesetze. Der Arzt stellt eine Gesetzesänderung in den Raum.

Der Pfarrwerfener Hausarzt Christoph Fürthauer tappte am Freitagvormittag im Dunkeln. Nach der Nachricht über den ersten Corona-Fall in dem Pongauer Ort wollte Fürthauer wissen, um wen es sich handelte. „Ich habe den Bürgermeister gefragt. Aber er hat es nicht gewusst und wollte umgekehrt von mir wissen, wer es ist“, erzählt der Mediziner.

Zitat Icon

Die Infektionsströme könnten so besser gelenkt werden

Hausarzt und Ärztekammervizechef Christoph Fürthauer

Der Ärztekammer-Vize schildert den Vorfall als beispielhaft für die derzeitige Kommunikation der Behörden mit Hausärzten. Fürthauer fühlt sich vom Land alleine gelassen. „Ich habe von den Testergebnissen meiner Patienten bisher nur über das Labor Dr. Mustafa erfahren, noch nie von den Behörden“, kritisiert er. Das private Labor unterstützt die Landeskliniken bereits seit letzter Woche bei den Abstrichen. Fürthauer sieht jedoch speziell die öffentlichen Stellen und die Behörden in der Bringschuld.

Fakten

Das Coronavirus gilt seit 25. Jänner aufgrund einer Verordnung des Gesundheitsministers als meldepflichtige Krankheit. Das Gesetz schreibt im Verdachtsfall, bei positiven Tests und im Sterbefall von Patienten eine Meldung beim Gesundheitsamt vor. Ein Recht auf Infos für Hausärzte ist im Gesetz jedoch nicht verankert.

Land spricht von enormem Aufwand
Eine generelle Auskunft über das Ergebnis von Abstrichen ist im Gesetz laut Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) jedoch nicht vorgesehen. „Es erfolgt ohnehin eine Meldung beim Gesundheitsamt nach dem Epidemiegesetz“, so Stöckl. Hausärzte über die Testergebnisse ihrer Patienten zu benachrichtigen, sei ein enormer administrativer Aufwand und aus Datenschutzgründen nicht möglich.

„Das Land zieht sich auf den Gesetzes-Standpunkt zurück. Wegen der Krise wurden bereits viele Gesetze in kurzer Zeit geändert“, kontert Fürthauer. Er spricht von einer „verzögerten und ausbaufähigen Kommunikation der Behörden“. Fehlende Information über Testergebnisse führe zu Verunsicherung und sei hinderlich beim Kampf gegen das Virus. „Die Infektionsströme könnten so besser gelenkt werden“, ärgert sich der Pongauer. Das Land weist auf die Verantwortung der Bevölkerung hin. „Patienten sollen sich mit Testergebnissen bei Ärzten melden“, betont Stöckl-Sprecher Harald Haidenberger.

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 30. Mai 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.