29.03.2020 10:00 |

Steirische Autorin

Ein Erfolg wie aus dem Bilderbuch

Was für eine Premiere: Gleich für ihren ersten Roman hat die Steirerin Agnes Ofner den Österreichischen Kinder- und Jugendliteraturpreis zugesprochen bekommen. Im Gespräch erzählt sie von der abenteuerlichen Entstehung des Buches, einer abgesagten Preisverleihung und wie sie versucht, die aktuelle Quarantäne kreativ zu nutzen.

In allerletzter Minute hat es Agnes Ofner vor der Schließung der Grenzen noch nach Österreich zurück geschafft: „Ich hatte eigentlich einen Autoren-Aufenthalt in Finnland“, sagt sie per Video-Anruf in ihrer Wiener Wohnung. „Ich versuche die auferlegte Auszeit jetzt zum Schreiben zu nutzen.“

Eigentlich schreibt sie gerade an ihrem zweiten Roman: „Darin soll es auch um krisenhafte Zustände gehen, aber daran mag ich gerade nicht arbeiten, das ist mir jetzt zu deprimierend. Ich habe einen neuen, positiveren Text angefangen.“

Schon immer Geschichten ausgedacht
Ohne Schreiben geht es für sie aber nicht: „Ich habe mir immer schon Geschichten ausgedacht“, erinnert sie sich. Es war also nur ein logischer Schritt, dass die gebürtige Mellacherin sich vor einigen Jahren nach zahlreichen Kurzgeschichten auch an ihren ersten Roman gesetzt hat - einen Jugendroman: „An der Jugendliteratur finde ich spannend, dass man Figuren beschreiben kann, die in ihrer Identität und ihrem Weltbild noch nicht gefestigt sind, sondern sich ausprobieren können.“

Inspiration in der Tierwelt
Während einer Paddeltour durch den Amazonas Brasiliens hatte Ofner die Idee für ihren ersten Roman: „Die Tiere auf der einen Seite des Flusses haben immer ganz sehnsüchtig zu den Tieren auf der anderen Seite geschaut. Ich hatte plötzlich das Bild von zwei Teenagern vor meinem Auge, die aus der Ferne miteinander kommunizieren, ohne, dass sie sich jemals begegnen.“

Zara und Sam heißen diese beiden Teenager, die im Zentrum von „Nicht so das Bilderbuchmädchen“ stehen und sich ganz ohne Begegnung von Fenster zu Fenster kennen lernen. Zara steckt mitten in den romantischen Verwicklungen der Pubertät und der schüchterne Sam zweifelt ganz allgemein an seiner Identität als Junge: „Viele Jugendbücher hängen in alten Rollenklischees von männlich und weiblich fest, das wollte ich ändern“, erklärt Ofner. Sie kennt das auch selbst: „Ich hatte lange Zeit kurze Haare und jeder hat sofort geglaubt, dass ich ein Bub bin“, lächelt sie.

Ein Preis ohne Verleihung
Für ihren eindrucksvollen Umgang mit Themen wie Pubertät, Einsamkeit und Transsexualität wurde sie nun mit dem Literaturpreis gewürdigt. Überreicht bekommen wird sie ihn wohl vorerst nicht: „Die Preisverleihung wird wegen Corona nicht stattfinden, aber ich fühle mich trotzdem bestätigt“, sagt sie. Und auch trotz Corona wird Agnes Ofner weiter Texte in die Welt senden: „Andere horten Klopapier, ich habe Briefmarken gehortet und schreibe jeden Tag einen Brief!“

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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