19.03.2020 13:45 |

„Wie Experiment“

Niederländischer Premier will „Herdenimmunität“

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gehen die Niederlande ähnlich vor wie zahlreiche andere europäische Staaten: Schulen und Kindergärten, Restaurants und Clubs sind geschlossen. Die Grenzen wurden für Nicht-EU-Bürger dichtgemacht. Allerdings hoffen niederländische Regierung und Gesundheitsbehörde RIVM auch darauf, dass sich in der Bevölkerung eine sogenannte Gruppen- oder Herdenimmunität einstellt - dass also immer mehr Menschen eine Erkrankung überstehen und dann gegen erneute Infektionen mit dem Virus gefeit sind.

Entsprechende Äußerungen von Ministerpräsident Mark Rutte sorgten für teils heftige Kritik. Rutte hatte erklärt, ein großer Teil der Bevölkerung werde sich nach Einschätzung von Experten infizieren. „Und sie (die Experten) sagen uns auch, dass wir in Erwartung eines Impfstoffs oder eines Medikaments die Verbreitung des Virus abbremsen und zugleich kontrolliert eine Gruppenimmunität aufbauen können.“ Dies könne aber viele Monate dauern. „In dieser Zeit müssen wir besonders gefährdete Menschen so gut wie möglich abschirmen.“

„Niederländer fühlen sich wie Teil eines großen Experiments“
Politiker der Opposition warfen dem liberal-konservativen Ministerpräsidenten vor, für Unruhe unter der Bevölkerung zu sorgen. „Viele Niederländer fühlen sich, als seien sie Teil eines großen Experiments“, sagte der Vorsitzende der Sozialdemokraten (PvdA), Lodewijk Asscher. Rutte sprach daraufhin von einem Missverständnis.

Beim RIVM hieß es, die Strategie bestehe darin, Gefährdete so stark wie möglich zu beschützen, dafür zu sorgen, dass Krankenhäuser nicht überfordert sind, und zugleich zuzulassen, dass stärkere Gruppen Immunität aufbauen. „Wir versuchen, die Abfolge von Infektionen auf Infektionen zu durchbrechen“, sagte ein RIVM-Sprecher.

Rutte: „Immunität durch Ansteckung ist nicht das Ziel“
Rutte erklärte der Zeitung „de Volkskrant“ vom Donnerstag zufolge, Äußerungen von ihm über die Möglichkeit der Erlangung einer „Gruppenimmunität“ durch eine größere Zahl von Infektionen seien missverstanden worden. Immunität durch Ansteckungen sei nicht das Ziel, sondern lediglich ein normaler Nebeneffekt. Die Maßnahmen der Niederlande im Kampf gegen das Virus seien beinahe genauso streng wie in Frankreich oder Belgien. Dort waren jeweils Ausgangssperren verfügt worden.

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