Mit oder ohne Väter:

Experte: „Betreuung bei Geburten ist gesichert!“

Wien
19.03.2020 13:30

In vielen Ordinationen werden derzeit zahlreiche Maßnahmen getroffen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können - ohne Ärzte, Patienten und Mitarbeiter einem Infektionsrisiko auszusetzen. Viele Patienten sind aufgrund der derzeitigen Lage und der damit verbundenen Einschränkungen beunruhigt. So auch in gynäkologischen Arztpraxen, denn bei schwangeren Frauen stehen regelmäßige Untersuchungen an. Wir haben mit dem Wiener Fachgruppenobmann der Gynäkologen, Dr. Georg Braune, gesprochen. Dieser beruhigt: Trotz der außergewöhnlichen Umstände sei „die geburtshilfliche Betreuung gesichert“, wenn auch nicht „wie gewohnt“. Auch die Ärztekammer unterstreicht: 90 Prozent der Praxen seien geöffnet.

Aufgrund der aktuellen Covid-19-Entwicklung hat der Wiener Krankenanstaltenverbund am vergangenen Freitag umfassende Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz seiner Spitäler und Pflegewohnhäuser getroffen. Ziel dieser ist es, das Auftreten von Covid-19-Infektionen in Spitälern nach Möglichkeit zu verhindern. Auch der gewohnte Alltag in vielen Arztpraxen und Ordinationen hat sich vielerorts grundlegend gewandelt. Besonders schwangere Frauen sorgen sich - stehen doch regelmäßige Untersuchungen an oder gar die Geburt kurz bevor.

Video: Zugangskontrollen in Wiener Spitälern

„Vielleicht nicht in gewohnten Umständen“
Georg Braune, Facharzt in der Ordination Focus-Gyn in Wien, beruhigt ob dieser außergewöhnlichen Umstände und getroffener Zutrittsbeschränkungen. Es sei „vollkommen klar, dass auch Geburten ,auf Notbetrieb laufen‘“, so der Experte. Jeder Frau sei „selbstverständlich eine Geburt gewährleistet“, auch wenn diese vielleicht nicht „in gewohnten Umständen, also in direkter Anwesenheit des Vaters oder der im Krankenhausbereich wartenden Großeltern“, erfolgen würde.

Die „geburtshilfliche Betreuung ist gesichert“, fasst Braune zusammen. Fragen müsse man sich jedoch, ob man „die Väter bei der Geburt zulässt. Im Moment werden meines Wissens Männer noch zugelassen, doch ich schließe nicht aus, dass sich das ändert - immerhin erhöhen sie das Infektionsrisiko“.

MR Dr. Georg Braune (Bild: focus-gyn.at)
MR Dr. Georg Braune

„Männer nur in Ausnahmefällen“
Der Facharzt betont allerdings auch, dass sich die Umstände natürlich an die derzeitige Lage angepasst hätten. In seiner Ordination würden „Besuche sehr restriktiv gehandhabt“, gemäß der aktuellen Vorschriften und Bestimmungen der Regierung. Männer seien „nur in Ausnahmefällen oder gar nicht erlaubt“, so der Gynäkologe. Auch Untersuchungen bei Schwangeren würden derzeit nur „bei absoluter Notwendigkeit durchgeführt, also etwa bei akuten Auffälligkeiten“. Ansonsten würde man Schwangere terminlich ein bis zwei Wochen vertrösten, auch da Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen derzeit ausgesetzt seien. Es sei derzeit kein Problem, wenn diesbezügliche Termine nicht eingehalten werden könnten.

(Bild: APA/BARBARA GINDL)

„Besuche werden sehr restriktiv gehandhabt“
Eine weitere Maßnahme sei, Termine zu blocken. Keine zweite Patientin dürfe sich zum Zeitpunkt der Patientenaufnahme bzw. Untersuchung in seiner Ordination aufhalten, um jedes Infektionsrisiko gering zu halten. Die Termine würden entsprechend eingeteilt und per Telefon oder schriftlich fixiert. Begleitpersonen seien im Regelfall ebenfalls „nicht gestattet“, betont er. Dies diene nicht nur dem Schutz der Patienten, sondern auch jenem der Ärzte und des Personals vor Ort. Im Regelfall würden das die Väter „ohne Probleme“ akzeptieren. „Im Großen und Ganzen funktioniert das recht gut“, freut sich Braune.

(Bild: APA/Helmut Fohringer)

„Betreuung wird aufrechterhalten!“
Er streut den niedergelassenen Ärzten und Kollegen seiner Zunft Rosen: Diese würden derzeit den Großteil der Obsorge übernehmen, so die Spitäler enorm entlasten. „Normalerweise endet die pränatale Betreuung um die 35. oder 36. Woche - also normalerweise werden die Patientinnen ein, zwei Wochen vor der Geburt ins Spital bestellt.“ Nun aber hätten die niedergelassenen Ärzte die Betreuung weitgehend übernommen, damit Schwangere von Besuchen in Krankenhäusern Abstand nehmen können. Man betreue „bis zur Geburt“ - und dies ohne Verrechnungsmöglichkeit für Leistungen. Trotzdem werde das Angebot für die werdenden Mütter aufrechterhalten.

(Bild: thinkstockphotos.de (Symbolbild))

Ärzte haben derzeit „null Einkommen“
Es werde zwar punktuell zu Schließungen kommen, „aber nur, wenn Materialien ausgehen, werden auch Kassenärzte unter Umständen die Öffnungszeiten reduzieren“. Es kommt natürlich durch das geringere Patientenaufkommen und die oftmals telemedizinische Betreuung der Patienten auch bei den Kassenärzten zu massiven Verdienstentgängen, welche derzeit nicht von der Kasse ausgeglichen werden. Viele arbeiten jetzt schon „auf eigene Kosten“ und können den Ordinationsbetrieb und die Kosten für Mitarbeiter nicht durch die Einnahmen abdecken. Trotzdem würden die Ordinationen selbstverständlich zur Versorgung der Menschen offen gehalten.

Enorme Entlastung für Spitäler
Mitarbeiter, Mieten müssten weiterhin bezahlt werden. Im Moment würden dafür die niedergelassenen Ärzte selbst sorgen. Diese sähen sich „verpflichtet, ihre Ordinationen zu öffnen“. Indem sie die „Versorgungsleistungen der Spitäler“ abfederten, würden sie einen enormen Beitrag leisten. Doch aufgrund der wenigen Patienten in vielen Praxen würden viele Ärzte Miete und Personal derzeit selbst finanzieren.

(Bild: ©Yakobchuk Olena - stock.adobe.com)

„Ärzte nur im Notfall aufsuchen!“
Sein Appell an alle Patienten: „Bitte suchen Sie Ihren Arzt nur im wirklichen Notfall und nur nach Voranmeldung auf. Ordinationen stehen gerne telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung. Wir beraten gerne“, so Braune. Sollte akute Hilfestellung benötigt werden, solle der Erstkontakt auf jeden Fall „telefonisch oder schriftlich“ hergestellt werden, damit Patienten beim Zeitpunkt der Aufnahme bzw. Untersuchung „allein vor Ort“ seien: „Alle Ärzte sind bemüht, Übertragungen hintanzuhalten.“

Die Ärzte selbst und die Mitarbeiter würden sich durch besondere Hygienemaßnahmen und mit Masken schützen. Auch, wenn „uns diese langsam ausgehen“, so Braune. Bei Untersuchungen würde der Mindestabstand so gut wie möglich eingehalten, eine „kontaktlose Untersuchung“ sei jedoch in vielen Fällen natürlich nicht möglich.

(Bild: stock.adobe.com)

Auch Ärztekammer beruhigt
„Wir haben gemeinsam mit der Sozialversicherung die E-Card-Steckungen am Montag, 16. März 2020, überprüft und in Relation mit den Steckungen der Vorwoche gesetzt. Dabei hat sich herausgestellt, dass über 90 Prozent der Vertragsärzte/Vertragsgruppenpraxen geöffnet und Patienten betreut hatten. Die niedergelassene Versorgung in Wien ist somit gesichert“, so die Wiener Ärztekammer. Die Patientenfrequenz sei allerdings von Praxis zu Praxis sehr unterschiedlich. „Manche Ordinationen sind voller als vor der Pandemie, manche haben die Hälfte ihres Patientenaufkommens, und manche sind so gut wie leer“, schrieb die Wiener Standesvertretung der Ärzteschaft.

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