16.03.2020 09:00 |

Blick nach Südtirol

Angst und Hoffnung: Das Leben in der Quarantäne

Sperrzonen, Ausgangsverbote und leere Straßen: Was sich in Tirol bis vor Kurzem fast noch niemand vorstellen konnte, ist in Südtirol bereits seit Tagen bittere Realität. Eine Pensionistin und ein Familienvater schildern der „Krone“, wie sich das Leben unter Quarantäne anfühlt.

Weit über 24.000 Infizierte, mehr als 1800 Tote und kein Ende in Sicht: Kein anderes Land in Europa ist von der Ausbreitung des Coronavirus so schwer betroffen wie Italien - und damit auch Südtirol. Läden, Bars und Schulen sind seit mehreren Tagen geschlossen, keine Messen, keine Beerdigungen - das öffentliche Leben ist stillgelegt. Nur wer von der Arbeit nicht fernbleiben kann, einen Arzt besuchen muss oder alte und kranke Verwandte pflegt, darf seinen eigenen Wohnort verlassen. Im Auto muss dafür eine Selbsterklärung mit Hinweis der Notwendigkeit ausgefüllt mitgeführt werden. Wer sich daran nicht hält, der riskiert bis zu drei Monate Haft. Auch Spaziergänge im eigenen Dorf soll man unterlassen.

„Ich habe vor einer Woche noch Scherze über das Virus gemacht“, erzählt Edith Rainer aus Wiesen bei Sterzing. Der ehemaligen Krankenschwester ist das Lachen mittlerweile aber vergangen.

Noch volle Regale in den Lebensmittelgeschäften
„Ich habe mich mit Büchern eingedeckt und verlasse das Haus nur noch, um Lebensmittel zu holen.“ Über Hamsterkäufe, wie zuletzt in Nordtirol, schüttelt die 65-Jährige nur den Kopf. „Die sind definitiv nicht notwendig. Bei uns sind die Regale der Lebensmittelläden voll und meist nur eine Handvoll Menschen beim Einkaufen zu sehen.“

„Viele haben Angst, dass sie die Arbeit verlieren“
Größere Sorgen macht sich Patrick Bugno (35) aus Stilfes, Gemeinde Freienfeld. „Die Lebensmittelversorgung scheint garantiert, aber wenn die Lkw auf der Autobahn aufgrund der Kontrollen stundenlang im Stau stehen, werden die Regale nicht befüllt“, bangt der Besitzer einer Schlosserei. „Im Moment haben wir alles, dennoch gibt es Leute, die sich zumindest für ein paar Tage mit Reis, Nudeln und Mehl eindecken, falls Supermärkte doch schließen müssen. Obst und Gemüse sind oft schon in der Früh vergriffen“, erklärt der Familienvater, dessen Tochter (6) schon seit über einer Woche nicht in die Schule geht.

„Wir sind froh, dass wir einen privaten Garten haben, wo Ayleen in Ruhe spielen kann. Ansonsten macht sie Hausaufgaben. Und leider ist in einer solchen Situation auch die eine oder andere Stunde vor dem Fernseher nicht zu verhindern“, erklärt der Südtiroler. Etwas besorgt sei man, was die Zukunft bringt. „Viele haben Angst, die Arbeit zu verlieren. Aber wir versuchen, positiv zu bleiben und hoffen, dass die Politik - zumindest dieses Mal - gute Arbeit macht.“

Samuel Thurner
Samuel Thurner
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