19.07.2010 12:34 |

Klimaerwärmung

Hohe Belastung mit Schwermetallen in Arktis

Die Klimaerwärmung führt zu einer hohen Schwermetall-Belastung von Tieren und Menschen in der Arktis, wie Untersuchungen des österreichischen Biologen Günter Köck gezeigt haben. Durch das wärmere Klima erhöht sich der Stoffwechsel von Tieren wie Fischen, in deren Körper sich dadurch Schwermetalle anreichern. Über die Nahrungskette gelangen diese dann wieder in die Körper der Menschen.

"In vielen Gebieten der Arktis wurde bei Inuits bereits eine erhöhte Quecksilberkonzentration festgestellt, die vor allem für Schwangere und Kinder ein Gesundheitsrisiko darstellt", so Köck, der Ende dieser Woche wieder zu einer Expedition in die Arktis aufbricht.

Im Rahmen der österreichisch-kanadischen Forschungskooperation "High-Arctic" werden der an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Uni Innsbruck beschäftigte Biologe und seine Kollegen erneut die Anreicherung von Schwermetallen und organischen Schadstoffen in arktischen Seen untersuchen. 

Zusammenhang zwischen Klima und Belastung
Bei dem Langzeitprojekt überprüfen die Forscher seit 1997 die Schadstoffbelastung der in den Seen der kanadischen Arktis beheimateten Seesaiblinge. "Diese Fische haben sich als zuverlässige Bioindikatoren für globale Klimaveränderungen herauskristallisiert", so Köck in einer Aussendung der ÖAW. Die bisherigen Studien hätten einen klaren Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Schwermetallbelastung gezeigt, "je wärmer der Sommer, desto höher ist die Belastung".

Das Interesse der Forscher gilt vor allem dem Element Quecksilber. Das giftige Schwermetall gelangt aus den Industriegebieten im Süden über die Atmosphäre in die arktischen Seen. In den Gewässern und umliegenden Feuchtgebieten wird das Metall aufgrund der Klimaerwärmung in steigendem Maß von Bakterien in das noch weitaus giftigere Methylquecksilber umgebaut, das sich sehr leicht in den Fischen anreichert.

Bei der diesjährigen Expedition werden zwei Teams bis Mitte August in zehn Seen in der Umgebung von Resolute Bay im äußersten Norden Kanadas Seesaiblinge, Wasser, Sedimente sowie Plankton untersuchen. Ein Highlight im diesjährigen Untersuchungsprogramm ist die Expedition zum Lake Hazen auf Ellesmere Island. Von dem nur 800 Kilometer vom Nordpol entfernten und 267 Meter tiefen Gewässer hat das Projektteam die erste Tiefenkarte erstellt. Durch seine abgeschiedene Lage und die Tatsache, dass der riesige See ausschließlich von Schmelzwasser gespeist wird, stellt er ein ideales Klimaarchiv dar.

Ergebnisse lassen sich auf Alpenseen übertragen
Die Ergebnisse aus der Arktis lassen sich aufgrund der Ähnlichkeit der Ökosysteme auf alpine Hochgebirgsseen übertragen. In den Tiroler Hochgebirgsseen ist der Seesaibling ebenfalls beheimatet und wie schon in früheren Jahren werden die Forscher auch heuer wieder bei diesen Tieren die Quecksilberbelastung messen. Die Untersuchungen sollen zeigen, wie sich das Auftauen des Permafrost auf die Metallbelastung von Gewässern auswirkt.

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