20.02.2020 11:38 |

Petite Cuisine

Miniküchen liegen jetzt stark im Trend!

Die Küche klein, und trotzdem fein: Aufgrund immer kompakter geschnittener Wohnungen liegen Miniküchen stark im Trend. Wenn der Raum knapp ist, müssen schlaue Lösungen her.

Die in Wien-Margareten geborene Architektin Margarete Schütte-Lihotzky war in vielerlei Hinsicht eine Pionierin. Weltberühmt ist sie für den Entwurf der sogenannten „Frankfurter Küche“ geworden, die als Prototyp der modernen Einbauküche gilt. Knapp hundert Jahre ist das her.

Ein Ideal von einer Küche
Bei der Planung der revolutionären Küche, die später in unzähligen Haushalten zu finden war, orientierte sich die junge Architektin u.a. an den räumlich begrenzten Speisewagenküchen in Zügen. Sie zählte Schritte und Handgriffe, analysierte Arbeitsabläufe mit der Stoppuhr. Funktion war die oberste Prämisse, das ging bis hin zur Farbwahl bei den Oberflächen: Ultramarinblau. Wissenschaftler hatten festgestellt, dass Fliegen diese Farbe meiden. Dass Schütte-Lihotzky oft auf ihren genialen Küchen-Entwurf „reduziert“ wurde, hat ihr selbst überhaupt nicht gefallen. Kurz vor ihrem Tod, sie war bereits über 100 Jahre alt, soll sie einmal gesagt haben: „Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut“.

Die Küche von heute
Die Anforderungen an eine zeitgemäße Küche sind heutzutage gar nicht so verschieden wie anno dazumal. Wir leben in Zeiten immer kleiner werdender Wohnflächen, die Anzahl der Single-Haushalte steigt. Da sind kompakte Küchen, die hochgradig funktionell sind, gefragt. Tatsächlich liegen diese absolut im Trend.

Es ist doch so: Die einen benötigen eine sehr große Küche – weil sie eine mehrköpfige Familie zu ernähren haben oder einfach für ihr Leben gern kochen. Vielleicht ja auch beides. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die gar nicht so sehr auf eine Küche angewiesen sind. Natürlich, ein Eiskasten muss sein. Eine Herdplatte, auf der man ab und zu etwas aufwärmen kann. Ein paar Regale, in die man Gläser und Teller verstauen kann. Ein alleinlebender Mensch, der oft auswärts isst oder sich das Essen von einem der unzähligen Services liefern lässt, braucht nicht viel mehr.

Ordnung muss sein
Mini- oder Singleküche, Kitchenette oder Pantryküche heißt es da im Fachjargon. Eine sogenannte Schrankküche hat in einem größeren Kasten Platz – und kann ganz leicht hinter den Schranktüren verschwinden. Ohnehin besagt eine alte Einrichtungs-Weisheit, dass Ordnung in kleinen Räumen wichtiger ist als anderswo. Offene Regale sind in einer Miniküche also eher keine gute Idee. Das Auge fühlt sich einfach wohler, wenn der Kleinkram hinter einer geschlossenen Schranktüre aus dem Sichtfeld geräumt werden kann. Übrigens sorgen auch grifflose Fronten für einen aufgeräumteren Eindruck.

Nur das Notwendigste
Die absolute Grundausstattung einer Basisküche besteht aus einer Spüle mit Unterschrank, einem weiteren Schrank mit Kochfeld (evtl. plus Backofen) sowie einem kleinen Eiskasten. So viel Platz sollte in der kleinsten Nische sein.

Je nach Wunsch und Raum, lässt sich die Sache natürlich erweitern: Wer nicht nur Fertigspeisen aufwärmen, sondern hin und wieder tatsächlich auch kochen möchte, braucht wenigstens ein paar Quadratzentimeter Arbeitsfläche. Zum Beispiel eine ausziehbare Arbeitsplatte oder spezielle Abdeckplatten, die über das Spülbecken bzw. auf das Kochfeld gelegt werden können. Vielleicht ist noch Platz für ein weiteres Kästchen, das unten zusätzlichen Stauraum schafft und oben Arbeitsfläche bietet?

Oder man entscheidet sich für einen Küchenblock mit extra schmaler Spüle bzw. Herdplatte, bei dem seitlich noch Ablage- und Arbeitsfläche frei bleibt. Neben zentimetergenauer Planung sind in der kleinen Küche oft kreative Lösungen gefragt. Und zur Not kann man die Zwiebel immer noch am Küchentisch schneiden.

Die Anordnung
In einem eher schmalen, länglichen Raum bietet sich eine Küchenzeile oder eine L-förmige Eckküche an. In einem quadratischen Raum wird man eine dreiseitige U-Form wählen, sofern in der Mitte ausreichend Platz zum Arbeiten bleibt.

Wenn nur wenige Quadratmeter zur Verfügung stehen, liegt es nahe, die Höhe des Raumes voll auszunützen. Hoch- oder Hängeschränke sind das Mittel der Wahl. Wer sich für Oberschränke mit geringerer Tiefe entscheidet, läuft auch nicht Gefahr, sich zwischen all den Kästen irgendwie eingeengt zu fühlen.

Das Gefühl, von den Küchenkasterln regelrecht „erdrückt“ zu werden, kann insbesondere in U-förmigen Küchen aufkommen. Verzichtet man bei einer der drei Wände auf Oberkästen, lockert das die Atmosphäre gleich spürbar auf. Noch ein Tipp für die luftigere Gestaltung einer öden Küchenzeile: Man bringt Ober- und Unterschränke um ein bis zwei Meter seitlich versetzt an. Ganz schön frech – und ziemlich wirksam.

Bitte zu Tisch
Klapptische und -stühle sind ein praktischer Klassiker in der kleinsten Studentenbude. Wenn ein Fenster in der Nähe ist, kann die Küchenarbeitsplatte über die Fensterbreite verlängert – und auf diese Weise als Minitisch verwendet werden. Man verzichtet dort auf einen Unterschrank und schiebt stattdessen einen Barhocker darunter.

Selbst bei wenig Wohnfläche ist – in einer offenen Raumsituation – sogar eine kleine Kochinsel denkbar. Diese dient als Raumteiler zwischen Koch- und Wohnbereich. Mit zusätzlicher Theke versehen, kann der Küchenblock dann auch als Tisch oder Bar genutzt werden.

Praktische Möbel
Sehr hilfreich – und wieder in Mode gekommen – sind Servierwägen. Sie bieten Stauraum, vergrößern die Tisch- bzw. Ablagefläche und lassen sich ganz schnell zur Seite rollen, wenn sie mal im Weg stehen.

Intelligente Stau-Systeme schaffen zusätzlichen Platz. Man kennt das Phänomen von Urlaubsreisen mit dem Auto: In einen gut geschlichteten Kofferraum passt einfach viel mehr hinein. Mit einem Eckschrank zum Beispiel nützt man den vorhandenen Raum bis in die letzte Nische. Ein durchdachtes Schubladeninnenleben schafft platzsparende Übersicht.

Immer noch zu wenig Stauraum?
Töpfe und Pfannen können auch im kalten Backofen aufbewahrt werden. Verschiedenste Küchenaccessoires lassen sich an speziellen Vorrichtungen an der Wand oder auch an den Innenseiten der Schranktüren aufhängen. Nicht einmal auf einen Geschirrspüler muss man in einer kleinen Küche zwingend verzichten. Längst gibt es kleine, schlanke Versionen der so beliebten Haushaltshilfen.

Licht und Farben
Auch wenn die Küche noch so spärlich eingerichtet ist, bei den Lampen sollte nicht gespart werden. Ein seitlicher Spot allein ist nicht genug – man steht sich bei Arbeiten ständig selbst im Licht. Ideal ist ein Mix aus hellem Arbeitslicht (Röhre oder Spots von oben) und verschiedenen (dimmbaren) Leuchten, die für sanfte Akzente sorgen.

Farblich sind in der Miniküche helle Töne eine gute Wahl: Weiß, Creme, helles Grau, Pastellfarben lassen den kleinen Raum irgendwie größer und freundlicher wirken. Als Akzent mag immer noch alles Mögliche dienen: eine farbige Rückwand, die Arbeitsplatte oder knallige Küchentextilien. Hochglänzende Fronten reflektieren das Licht stärker als matte Oberflächen. Auch durch diese kleine optische Täuschung lässt sich ein wenig mehr Weite in die kleine Küche zaubern.

Günther Kralicek, wohnkrone.at

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