Ein Ort sucht Phantom

Elektroauto-Fahrer als „Schnorrer“ beschimpft

Mit dem Kauf eines Elektro-Autos wollten Siegfried und Elisabeth Tröstl aus Hohenberg im niederösterreichischen Bezirk Lilienfeld beim Umweltschutz als gutes Beispiel vorangehen. Weil sie gratis tanken dürfen, klemmt ihnen ein Unbekannter Mobbing-Botschaften hinter die Scheibenwischer. Jetzt wird Jagd auf das Zettel-Phantom gemacht.

Schlimm genug, wenn nach warmen Wintern wie diesem noch immer Leute am Klimawandel zweifeln. Noch schlimmer, wenn ein Ehepaar, das klimabewusst handelt, deshalb angefeindet oder gar gemobbt wird. Im beschaulichen Hohenberg ist genau das aber seit geraumer Zeit der Fall.

„Auf Auto angewiesen, wollten aber auf Umwelt achten“
Guten Gewissens legten sich dort Siegfried und Elisabeth Tröstl bereits im Jahr 2018 ein Elektroauto zu. Zu schlecht sei die Öffi-Anbindung bei ihnen im Ort, zu lange die möglichen Wartezeiten: „Wir sind auf das Auto angewiesen, wollten aber auch auf die Umwelt achten“, sagt das Paar.

Um diesen Gedanken in seiner Gemeinde zu stärken, bot Bürgermeister Heinrich Preus den Tröstls folglich an, ihren E-Pkw bei der Ladestation auf dem Marktplatz kostenlos aufzuladen. Ein Umstand, der zumindest einem Mitbürger offenbar massiv zu missfallen scheint. Seit einigen Monaten bereits legt ein Unbekannter dem Paar nämlich folierte Botschaften mit der Aufschrift „Schnorrer“ und ähnlichen Verbalattacken hinter die Scheibenwischer des Elektroautos.

Gemeinde: „Absolut ungerechtfertigter Vorwurf“
„Ein absolut ungerechtfertigter Vorwurf“, heißt es dazu im Rathaus. Denn gleich mehrfach hat das Paar dem Ortschef angeboten, für die Ladung auch zu bezahlen. „Das haben wir abgelehnt, weil wir die Ladestation als Service für unsere Bürger sehen und kein Geld dafür nehmen“, so Gemeindevertreter.

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Auch wir sind ratlos und wissen nicht, wer hinter den Zetteln steckt. Wir hoffen, dass wir den oder die Täter bald erwischen!

Ein Vertreter der Gemeinde

Dem Vorwurf des Unbekannten zum Trotz bezahlt das Ehepaar Tröstl dennoch sehr wohl für den Strom - und spendet nach jeder Tankfüllung an das Rote Kreuz. Sowohl die E-Auto-Besitzer als auch deren Nachbarn und Gemeindebedienstete wollen sich nun sogar auf die Lauer legen. Und das Phantom von Hohenberg endlich überführen!

Nikolaus Frings, Kronen Zeitung

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