20.02.2020 13:00 |

„Sporensuche“ in Tirol

Forschung: Wie der Pilz die Welt retten kann

Plastik fressen, Fleisch ersetzen. Böden sanieren, Landwirtschaft revolutionieren. Menschen heilen, Baustoff sein - all das kann er, der Pilz. Und hat damit laut Wissenschaft das Potenzial, die Welt zu retten. Die „Krone“ auf „Sporensuche“ in Tirol.

Eine blaue Tür in einem grauen Hinterhof in Innsbruck. Ein Mann, der mehr wie Steve Jobs wirkt, als Alexander Fleming – und Forschung, direkt an der Zukunft. Denn „no fungi, no future“, sagt der Mann im schwarzen Rollkragenpullover. Mark Stüttler ist Geschäftsführer der „Tyroler Glückspilze“, Wissenschaftler und Pionier. In seinen Laboren liege sie, die Lösung – „ich bin überzeugt davon, dass der Pilz die Antwort auf alle gravierende Probleme unserer Zeit ist“, sagt er.

Aber zum Anfang: Pilze sind Teil der ältesten Lebewesen der Welt, „dennoch wissen wir in unserem Kulturkreis kaum etwas darüber“, erklärt Stüttler. Champignon, Eierschwammerl und Steinpilz kommen zwar in Österreich gerne auf den Teller, doch dass Pilze weit mehr können, als gut zu schmecken, ist hierzulande weniger bekannt. „Im asiatischen Raum gibt es viel mehr Wissen über Pilze, deren Potenzial und Wirkstoffe“, erklärt Stüttler. Wissen, dem man nun auf der Spur ist.

Pilze mit Panzerqualität: Baustoffe der Zukunft
Denn von den heute bekannten Pilzsorten sind etwa 2000 essbar, in 600 hat man pharmakologische Wirkstoffe entdeckt. Pilze haben unglaublich vielseitige Inhaltsstoffe – Proteine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Aber auch sekundäre Inhaltsstoffe wie etwa Chitin – das auch in den Panzern von Insekten vorkommt. Während Stüttler erklärt, klopft er mit einer mehreren Zentimeter dicken Platte auf den Tisch. „Steinhart“, sagt er, „und feuerfest.“ Was aussieht wie Baumaterial, ist in Wahrheit ein Pilz, der dank des Chitins aber als ersteres eingesetzt werden kann. „Hundertprozentig natürlich“, betont der Wissenschaftler.

Biochemiker der Natur, die Plastik fressen können
Auch im Einsatz gegen eine der größten Plagen unserer Zeit würde sich der Pilz auszeichnen: „Es gibt welche, die Plastik fressen“, sagt Stüttler. „Und welche, die gegen Neurodermitis helfen. Andere kann man als Pflanzendünger einsetzen oder um kaputte Böden zu sanieren. Umso mehr Humus man dann wieder hat, desto besser kann man auch den Problemen in der Luft Herr werden. Pilze sind die Biochemiker der Natur“, klärt der Wissenschaftler über die Vielseitigkeit auf.

Taschen und Schuhe aus Pilzen statt Leder
Deshalb arbeiten er und sein Bruder Manuel daran, eigenes Saatgut und Substrat zu produzieren – „das kommt bisher in den meisten Fällen nämlich aus Holland“, so Stüttler. Doch bei den „Tyroler Glückspilzen“ entsteht nun eine Datenbank, während in Zusammenarbeit mit vielen namhaften Universitäten an den vielen Einsatzmöglichkeiten von Pilzen geforscht wird. In einem Labor in Italien arbeitet man etwa an Schuhen und Taschen aus Pilzen. Die können nämlich in Optik und Konsistenz mit Leder mithalten – nur müsste kein Tier dafür leiden.

„No fungi, no future“, sagt Stüttler noch mal, bevor die blaue Tür sich wieder schließt. Zum letzten Mal hat man von den Brüdern mit den Pilzen aber bestimmt nicht gehört.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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