19.02.2020 10:00 |

Anfrage zeigt:

14.923 Tiertransporte aus Österreich ins Ausland

Im Jahr 2017 hatten 14.923 Tiertransporte ihren Ursprungsort in Österreich. Insgesamt waren das unglaubliche 26.903.223 Tiere. Diese Zahlen stammen aus einer parlamentarische Anfrage der damals noch im Nationalrat vertretenen Liste Pilz zu Tiertransporten aus Österreich, die „Vier Pfoten“ nach der aufsehenerregenden ZDF-Dokumentation „Tiertransport grenzenlos“ des deutschen Autors und Filmemachers Manfred Karremann ans Licht bringt. 

Nicht immer kann ausgeschlossen werden, dass österreichische Tiere in Drittstaaten landen, auch wenn der eigentliche Zielort innerhalb der EU liegt. Überhaupt lässt die Transparenz der Zahlen und Routen generell sehr zu wünschen übrig. „Diese große Zahl ist mehr als erschreckend“, sagt „Vier Pfoten“-Direktorin Eva Rosenberg. „Das System kann nur als pervers bezeichnet werden. Wie kann es eine Normalität und vor allem lukrativ sein, Tiere lebendig über zigtausende Kilometer, oft wochenlang, durch mehrere Länder zu transportieren?“

Auch österreichische Zuchtrinder in Drittstaaten transportiert
Die ZDF-Doku berichtete konkret über schwere Missstände bei Rindertransporten, wobei auch österreichische Tiere betroffen sind. Denn auch Österreich exportiert Zuchtrinder in Drittländer. Von 2008 bis 2018 waren es insgesamt 1.014.721 heimische Tiere, die ins Ausland transportiert wurden. 221.464 davon gingen in Drittstaaten. Die häufigsten Exportländer sind die Türkei (117.151 Tiere), Algerien (38.133), Russland (15.356), Usbekistan (12.675) und Aserbaidschan (9.301).

Ziele: Libyen, Türkei, Algerien
In den Jahren 2008 bis 2018 sind insgesamt 199.891 Kälber aus Österreich exportiert worden, 1202 davon in Drittstaaten und 198.689 innerhalb der EU. Gerade bei Kälbern ist bekannt, dass immer wieder Transporte von Österreich nach Spanien gehen. Auffällig ist jedoch, dass Spanien gerade in den letzten Jahren seine Rolle als Exporteur von Lebendvieh in Drittstaaten stark ausgebaut hat. Von 2016 auf 2017 alleine stiegen die Lebendtiertransporte in Drittländer um knapp 78 Prozent auf fast 120.000 Tiere. Die Hauptdestination ist Libyen, gefolgt vom Libanon, der Türkei und Algerien.

Eva Rosenberg: „Wie die ZDF-Doku erneut deutlich gemacht hat, gibt es in dieser Branche viele Schlupflöcher. Dadurch können die Tiere möglichst unauffällig in Länder verbracht werden, in denen sowohl die Haltungs- als auch die Schlachtungsbedingungen weit unter den österreichischen Standards sind. Wir verlangen, dass die EU endlich ihrem Tierschutzauftrag nachkommt und angemessen reagiert.“ „Vier Pfoten“ fordert Verbesserungen bei der Gesetzgebung.

„Die Tiere leiden Höllenqualen!“
Eva Rosenberg: „Die Tiere leiden Höllenqualen. Immer wieder haben Tierschutzorganisationen und auch Tierärzte dokumentiert, dass Transporte gegen die ohnehin viel zu lasche Gesetzgebung verstoßen. Passiert ist dennoch überhaupt nichts!“ Seit 2007 ist die EU-Transportverordnung in Kraft. Fast ebenso lang sind die Probleme bekannt: „Die fehlende Implementierung in den Ländern und die Missstände werden oft nur durch Skandale aufgedeckt“, sagt Rosenberg. „In vielen Fällen werden nicht einmal diese ohnehin erbärmlichen Mindeststandards eingehalten.“

Bestimmungen gelten als unzureichend
Laut EU-Verordnung dürfen Rinder insgesamt 29 Stunden transportiert werden, wobei eine Stunde Pause eingehalten werden muss. Bei Schweinen beträgt die zulässige Transportdauer 24 Stunden. Nach einer Pause von 24 Stunden darf die Maximaldauer aber beliebig oft wiederholt werden. Auch nicht-entwöhnte, also noch säugende Jungtiere dürfen transportiert werden. „Diese Bestimmungen sind einfach eine Schande“, sagt Rosenberg.

„Vier Pfoten“ betonen diverse Forderungen
Neben einem Stopp von Lebendtiertransporten in Drittstaaten und einer Begrenzung der Transportzeit auf acht Stunden fordert „Vier Pfoten“ auch ein Verbot des Transports von nicht-entwöhnten Jungtieren. „Was diese Jungtiere mitmachen, ist unfassbar“, so Rosenberg. „Sie bräuchten die Muttermilch, aber oft gibt es bei Transporten nur Wasser aus Tränkanlagen, die sie noch nicht bedienen können. Kälber sollten an sich mindestens zwölf Wochen von ihren Müttern gesäugt werden; nicht selten werden aber nur zwei Wochen alte Kälbchen quer durch Europa gekarrt.“

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