16.02.2020 12:00 |

Interview

Kristina auf Arnolds Spuren

Dass Muskeln nicht nur Männersache sind, ist kein Geheimnis mehr. Für die Feldkircherin Kristina Brunauer ist Fitness kein Hobby, sondern ein Lebensstil. Der „Krone“ hat sie mehr über ihre Leidenschaft erzählt.

Kristina Brunauer (22) ist eine ehrgeizige, junge Frau. Wenn sie sich etwas in den Kopf setzt, dann erreicht sie das. So gelang ihr auch der Weg aus der Magersucht. Heute ist sie stark statt dünn und gehört zu den erfolgreichsten Sportlerinnen in „Bikini Fitness“ in Österreich.

Wie bist du zum „Bodybuilding“ gekommen?

Ich bin kein großer Fan des Ausdrucks „Bodybuilding“, denn viele haben ein falsches Bild davon. Die Leute meinen, man sei so „aufgeblasen“, zu muskulös, nicht mehr fraulich. Wir betreiben aber eine Art Körperkunst. Und ich mache die weibliche Version, das „Modelling“, das sich „Bikini Fitness“ nennt. Es gibt verschiedene Klassen, und ich befinde mich in der niedrigsten, bei welcher es eben um eine schlanke, definierte Muskulatur und einen femininen Look geht.

Wie hast du diesen Sport für dich entdeckt?

Angefangen habe ich erst ganz normal mit Fitnesstraining. Ich litt an Magersucht und hatte bei einer Größe von 1,70 Metern nur noch 43 Kilo. Heute wiege ich im Vergleich 65 Kilo, also 20 Kilo mehr. Für mich war das Krafttraining ein gesunder Weg aus der Krankheit, denn ich wollte zunehmen, aber auf eine gesunde Art und Weise. Ich habe mir dann auch Vorbilder auf Instagram gesucht. Statt dünn wollte ich stark sein. So habe ich auch „Bikini Fitness“ entdeckt. Die Mädchen trainieren und essen gesund.

Wie gelang dir der Weg in die Professionalität?

Ich habe mit 17 zu trainieren begonnen, das ist nun bald fünf Jahre her. Wettkämpfe mache ich aber erst seit zwei Jahren. Man braucht eine gewisse Zeit, um Muskulatur aufzubauen. Nach der Matura, mit 19, wollte ich das erste Mal auf die Bühne gehen. Ich habe den dritten Platz bei der Österreichischen Meisterschaft gemacht, was mich aber nicht zufrieden stellte. Ich bin ein Mensch, der immer auf den ersten Platz will. Natürlich war es mein erster Wettkampf und ich die Jüngste, aber das hat mich richtig angespornt. Daraufhin habe ich mich ein Jahr richtig hineingehängt - mehr Muskulatur aufgebaut, die Schwachstellen verbessert, und bin dann im September 2018 bei dem „Tiger Classic“ in Rumänien angetreten - das ist ein „Diamond Cup“, ein renommierter internationaler Wettkampf - den ich auf Anhieb gewonnen habe. Das war ein Highlight für mich. Danach habe ich dann auch die Österreichischen Meisterschaften gewonnen und meine „Profi Card“ bekommen. Beim „Arnold Classic“, einer der größten Amateurwettkämpfe in Europa, holte ich in meiner Klasse wieder den Sieg. Davor hat das noch keine Österreicherin geschafft, woraufhin ich bei der Weltmeisterschaft auch den fünften Platz bei den Frauen belegt habe. Danach habe ich eine Pause eingelegt. Bis die Motivation zu groß war und ich die „Profi Card“ angenommen habe und meinen ersten Wettkampf in Südafrika gestartet habe. Leider hat es noch für keine Platzierung gereicht. Nun habe ich mir ein Jahr Pause gegönnt, um darauf hinzuarbeiten.

Das klingt sehr ambitioniert. Wie viel Zeit investiert du ins Training?

Ich trainiere in der Wettkampfvorbereitung sechs Mal in der Woche rund zweieinhalb Stunden - eineinhalb Stunden Kraft und zweimal am Tag eine halbe Stunde Ausdauer. Aber eigentlich sind es ja 24 Stunden, denn die restliche Zeit muss ich mich dem Essen widmen. Alle drei Stunden gibt es etwas. Der Sport bestimmt das ganze Leben. Ich habe auch Vorgaben, wie viel Schlaf ich brauche. Entweder du liebst es - oder du machst das nicht. Es ist ein Lebensstil. Wenn man Gefallen daran findet, dann sind das alles keine Opfer, die man bringt, sondern man ist froh, dass man das jeden Tag machen darf. Ich gehe voll darin auf.

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Es ist ein Lebensstil. Wenn man daran Gefallen findet, dann sind das kein Opfer, sondern man ist froh, dass man das jeden Tag machen darf.

Kristina Brunauer

Wie ernährst du dich?

Sehr eiweißreich, ich achte drauf, dass bei jeder Mahlzeit mein Körper mit dem Wichtigsten versorgt wird. Am Morgen gib es Haferflocken mit Ei, mittags mageres Rindfleisch mit Gemüse und Reis, vor dem Training Huhn oder Fisch mit Gemüse und abends Eiklar und Avocado. Es ist sehr abwechslungsreich und da ich mich sowieso - auch abseits der Wettkämpfe - gesund ernähre, keine Überwindung. Im Normalfall dauert die Vorbereitung auf den Wettkampf 16 Wochen.

Worauf freust du dich dann in der „Off Season“?

Sushi oder mal ein Kuchen von der Mama. Mir geht nichts ab, weil ich mich sowieso gesund ernähre, aber ich würde gerne größere Portionen essen als vorgegeben sind.

Welche Reaktionen bekommst du auf deinen Lebensstil? Gibt es auch Kritik?

Ich bekomme viel Zuspruch, was mich sehr stolz macht. Wenn etwas Negatives kommt, dann eher von Männern, aber nicht den muskulösen, ganz im Gegenteil. Aber das sind halt Menschen, die mit sich selbst nicht zufrieden sind. Von Mädchen höre ich nur Positives, kein Neid. In unserem Sport ist man untereinander sehr hilfsbereit, man ist gleich gesinnt. Wir kennen alle die Problematik: Es ist nicht immer leicht im Alltag, wenn man an der Uni oder im Restaurant beim Familienessen mit den Tupperdosen dasitzt.

Was sind deine nächsten Ziele?

In acht Wochen gehe ich bei meinem ersten Wettkampf in Irland an den Start. Mein großes Ziel ist es, die „Profi Card“ für die „NPC“ zu bekommen - den amerikanischen Verband - für den ich auch meine europäische „Profi Card“ als IFBB Elite Pro aufgeben würde. Ich möchte auch die Chance mit meinem neuen Coach nutzen. Ricardo Pannain trainiert die besten Mädchen der Welt, auch die „Miss Bikini Olympia“ - das Höchste, das man erreichen kann. Das ist mein größter Traum!

Sandra Nemetschke
Sandra Nemetschke
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