06.02.2020 17:19 |

Präventionsstelle

Stadt richtet Warnsystem für Zwangsräumung ein

Die Stadt Salzburg hat mit Jahresbeginn ein neues Frühwarnsystem eingeführt, das die Delogierung von Mietern stadteigener Wohnungen verhindern soll, wenn diese die Miete nicht mehr bezahlen können. Ein eigens dafür abgestellter Sozialarbeiter sucht von sich aus bei Mietrückstand den Bewohner auf und versucht, mit ihm gemeinsam einen Ausweg zu finden.

Günter Österer, der die Delogierungsprävention betreibt, schilderte am Donnerstag bei einem Mediengespräch einen aktuellen Fall: Eine 77-Jährige hätte diese Woche delogiert werden sollen, weil sie rund vier Monatsmieten offen hatte. Die Frau, die etwas mehr als die Mindestpension bezieht, hatte immer wieder Geld an ihre beiden Söhne im Ausland geschickt und konnte deswegen die Miete nicht mehr bezahlen. Binnen zwei Tagen konnte Österer mit der Pensionisten einen Ausweg - etwa durch das Aufzeigen eines Anspruchs auf Mindestsicherung - finden, sodass sie in ihren vier Wänden bleiben kann.

Die Stadt übernimmt dabei aber nicht die offenen Rechnungen. „Unser Prinzip heißt: Hilf dir selbst, aber wir zeigen dir den Weg“, erläuterte Sozialabteilungs-Leiter Patrick Pfeifenberger. Das Problem sei, dass es in Salzburg zwar ein sehr gutes soziales Netz gibt, die einzelnen Stellen aber untereinander nicht gut kommunizieren. Die Delogierungsprävention soll die Klienten an die richtigen Stellen vermitteln. Denn in den meisten Fällen steckt hinter Mietrückständen ein anderes Problem.

Die Stadt Salzburg vermietet rund 1700 Wohnungen. In den vergangenen drei Jahren gab es für diese Einheiten 336 Räumungsklagen, 174 Exekutionsanträge und 18 Delogierungen. Durch die Verfahrenskosten und Mietausfälle entstand der Stadt ein Schaden von rund 200.000 Euro. „Wir machen aus einem Abschreibposten einen Dienstposten“, so Pfeifenberger. Aus Datenschutzgründen darf Österer nur bei den stadteigenen Wohnungen aufsuchend tätig werden. Sobald mehr als eine Monatsmiete offen bleibt, wird er informiert. Der Sozialarbeiter besucht dann von sich aus den Mieter zuhause. Denn wichtig sei das rasche Handeln. Ist schon ein Delogierungstermin angesetzt, bleibe kaum noch Zeit für eine Lösung.

„Wir wollen nicht, dass Menschen, die Wohnraum haben, diesen verlieren“, begründete Sozialstadträtin Anja Hagenauer. Neben all dem menschlichen Leid bei einer Delogierung sei dies auch eine Kostenfrage. „Wenn man jemanden aus der Obdachlosigkeit rausbekommen will, dann wird es richtig teuer.“

Hagenauer zeigte sich heute zuversichtlich, dass mit der Präventionsstelle die Zahl der Delogierungen halbiert werden kann, „mein Ziel heißt aber Null“. Außerdem hofft sie, dass die großen gemeinnützigen Bauträger das Modell übernehmen und ebenfalls Sozialarbeiter als Delogierungsprävention einstellen. Die Stadt Salzburg bietet den Service allen Bewohnern an, die ihre Miete nicht mehr zahlen können. Sie können sich direkt an Österer wenden, müssen aber in diesem Fall eine Datenschutzerklärung unterzeichnen.

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