31.01.2020 08:30 |

Nur 7,7 Prozent

Im Bürgermeister-Amt herrscht Frauenmangel

22 von 286: Frauen sind in den steirischen Bürgermeister-Ämtern in der Unterzahl. Woran liegt das Ungleichgewicht? An Selbstvertrauen und Vereinbarkeit, sagen Bürgermeisterinnen.

Sie sind zwei von 22 Frauen, die in der Steiermark ein Bürgermeister-Amt innehaben: Roswitha Glashüttner (SPÖ) aus Liezen und Barbara Walch (ÖVP) aus Wundschuh. Frauen sind mit 7,7 Prozent eine deutliche Minderheit – und das in Zeiten, in denen die Bundes- und die Landesregierung jeweils zur Hälfte aus Männern und Frauen bestehen. Den 22 Damen stehen auf kommunaler Ebene 264 Männer gegenüber – wenig verwunderlich, dass es da fast so viele Bürgermeister mit dem Vornamen Franz wie Frauen im Amt gibt!

„Das war immer eine Männerdomäne. Die Ausgangsbasis ist für Frauen eine andere: Sie haben eine Doppelbelastung von Beruf und Familie“, erklärt Glashüttner, die in Liezen seit 2018 im Amt ist. Sich noch dazu politisch zu engagieren, ist für viele Frauen schlicht nicht möglich. „Es gibt viele Abendtermine. Da muss die Familie mitspielen. Aber Frauen gehören mit ins Boot, auch bei Themen wie Verkehr und Wirtschaft.“

Spagat zwischen Arbeit, Politik und Familie
Glashüttner selbst hat sich das politische Engagement nie nehmen lassen. Auch nicht als alleinerziehende Mutter dreier Kinder: „Es war immer ein Spagat“, blickt sie zurück. Seit über 20 Jahren ist Glashüttner in der Politik, in der ersten Reihe stand sie – wie viele Kolleginnen – lange nicht. Erst als ihr Vorgänger an sie herantrat, entschied sie sich für den Schritt. „Ich habe Bedenkzeit gebraucht. Man hinterfragt sich.“

Heute, in der Pension, findet sie Zeit für das Amt – und will dort auch nach der Gemeinderatswahl im März bleiben. „Mich für die Bevölkerung einzusetzen, nehme ich sehr ernst.“

Selbstvertrauen statt alten Mustern
Bei Amtskollegin Barbara Walch (ÖVP) aus Wundschuh verlief der Einsteig ähnlich. Ihr Vorgänger trat an sie heran, als er sein Amt nach 22 Jahren niederlegte. „Ich habe damit nicht gerechnet und lange überlegt“, erzählt die vierfache Mutter, die hauptberuflich Bürgermeisterin ist. „Es ist eine große Verantwortung. Die Tätigkeit ist eine sehr schöne, man hat ständig mit Leuten zu tun, kann weiterhelfen und hat die Möglichkeit, zu gestalten.“

Ob es wichtig wäre, an der Basis mehr Frauen zu haben? „Es darf sich noch entwickeln“, sagt Walch. „Frauen sind engagiert und bringen sich ein. Sich selbst etwas zuzutrauen, fällt ihnen aber schwer. Man muss ganz klar sagen: Wohl, du kannst das!“ Deswegen liegt ihr auch die Förderung von jungen Frauen am Herzen. „Es ist wichtig, Frauen zu stärken und sich von althergebrachten Mustern nicht abhalten zu lassen.“

Walch, deren Schwerster Christine Aschbacher seit Kurzem Ministerin ist, wird wie Glashüttner bei der Gemeinderatswahl am 22. 3. als Spitzenkandidatinnen ins Rennen gehen – mit dem Ziel, ihr Amt zu verteidigen.

So fördern die Parteien ihre Frauen
Die Frauenorganisationen der Großparteien wollen mehr Damen in der Politik etablieren - unter anderem mit besserer Vereinbarkeit und neuen Rollenbildern soll das gelingen.

Es braucht mehr Frauen in der Politik - darüber herrscht über die Parteigrenzen hinweg Konsens. Immerhin besteht ja die Bevölkerung zur Hälfte aus Frauen.

Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert - doch am Ziel sei man noch nicht, meint Manuela Khom, Landesleiterin der ÖVP-Frauen. Nicht nur die Regierung, auch die Basis braucht mehr Ausgeglichenheit zwischen den Geschlechtern. „Ich hoffe, dass das Bild der Frau in der Politik selbstverständlich wird. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist aber noch immer schwer. Man muss zeigen, dass man will und kann.“

In der steirischen SPÖ ist Elisabeth Grossmann Frauenvorsitzende. „Frauen stellen hohe Ansprüche an sich selbst und hinterfragen sich viel mehr“ , meint die Bundesrätin. Ihre Lösung für mehr Damen in der Kommunalpolitik? „Die Sitzungskultur gehört geändert, Betreuungspflichten gehören berücksichtigt.“ Soziallandesrätin Doris Kampus fordert die Kommunen zum Handeln auf: „Mein Appell ist: Gemeinden, räumt die Hindernisse aus dem Weg und holt euch die Frauen in die erste Reihe!“

Beide Großparteien bieten Schulungen an, um Funktionärinnen zu stärken. „Mit dem Mentorinnen-Projekt wollen wir Frauen begleiten, Rat geben und Netzwerke aufbauen“, erklärt Grossmann. Die ÖVP bietet einen Lehrgang an. Khom: „Solide Netzwerke sind wichtig, sie geben Sicherheit. Das hat es für Frauen in der Politik lange nicht gegeben.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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