16.01.2020 16:35 |

In Salzburg

KHG-Ausstellung: Auch die Päpste spielen Schach

Schach und Religion - diesem Thema gehört die erste Salzburger Ausstellung zum Spiel der Könige. Teresa von Avila (1515-1582) ist die Schach-Heilige und christliches Symbol des Brettspiels, das in einem ambivalent-komplexen Spannungsfeld stand. Die Galerie der Katholischen Hochschulgemeinde zeigt Hintergründe.

Grundsätzlich stand Spielen an sich im religiösen Widerstreit über Jahrhunderte: Während unzählige Geistliche – angeführt von Päpsten wie Gregor IX. über Leo XIII. bis zu Johannes Paul II. – selber ihre Strategien an den 64 Feldern entwarfen, gab es vehemente Gegner. Etwa Bußprediger Johann Capistrano, der 1452 in Nürnberg Schachfiguren verbrennen ließ. Umso grotesker, dass im Laufe der Entwicklung des Spiels, das über Indien und den Iran nach Spanien (und somit Europa) kam, die Figur des Läufers, ursprünglich ein Elefant, zum Bischof mutierte. Die heutige Dame, einst Königin, erfuhr im Laufe der Schach-Historie eine Aufwertung zur wichtigsten Figur. Ein emanzipatorischer Akt, da passt es ideal, dass Teresa von Avila zur Patronin der Schachspieler wurde. Sie war eine zum Christentum konvertierte Jüdin, Klostergründerin und Mystikerin. Das älteste Originaldokument ist ein lateinisches Schachgedicht des 10. Jahrhunderts, auch Martin Luther saß am bewussten Brett.

Der Islam ging auch wegen seines Bilderverbots auf Distanz, im Widerspruch zu den Engelsfiguren, die auch zum mystischen Umfeld Teresas gehören. All das hat Experte Rainer Buland, Institut für Spieleforschung am Mozarteum, erforscht und analysiert, samt kunsthistorischen Deutungen. „Da gibt es Bilder namhafter Künstler bis hin zu anonymen Kopien von Stichen, daher stammt auch der Begriff Abkupfern“, weiß KHG-Hausherr & Hochschulseelsorger Christian Wallisch-Breitsching. Die Deutung der oft kunst- und wertvollen Figuren von König bis Satan, von Wollust bis Unschuld hat zudem literarischen Widerhall gefunden. Eine sehr detailreiche Publikation ist unter dem Titel „Schach und Religion“ erhältlich und basiert auf der Sonderausstellung im Rathaus Ebersberg in Bayern. „Einiges ist hier in Salzburg zu sehen. Besonders kostbare Exponate oder aus anderen Gründen nicht transportfähige fehlen“, erläuterte Dr. Buland bei der Vernissage. Roland Ruess„Schach und Religion, Teresa von Avila“- Ausstellung KHG-Galerie, Wiener Philharmoniker Gasse 2 bis 21. Februar. Näheres auch zum Begleitbuch erfahrbar unter www.ghs-schachundkulturstiftung.de

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