01.07.2010 14:20 |

Mathe-Rätsel gelöst

Rechengenie lehnt 1 Mio. $ Preisgeld als "nicht gerecht" ab

Das russische Jahrhundert-Genie Grigori Perelman hat sein Preisgeld für die Lösung eines der größten mathematischen Rätsel der Menschheit, der sogenannten Poincare-Vermutung, abgelehnt. Er habe lange das Für und Wider der Auszeichnung durch das US-amerikanische Clay-Institut für Mathematik abgewogen - und sich dann gegen die Annahme des mit einer Million Dollar dotierten Preises entschieden, sagte der 44-Jährige am Donnerstag.

Der als exzentrischer Eigenbrötler geltende St. Petersburger lebt bei seiner Mutter und soll derzeit arbeitslos sein. Perelman hält die Entscheidung des Instituts nach Angaben der Agentur Interfax für ungerecht. So sei bei der Klärung der Poincare-Vermutung der Beitrag des US-Amerikaners Richard Hamilton "um kein bisschen geringer als meiner".

Aufgabe auch für Experten zu kompliziert
Die Poincare-Vermutung, die der große französische Mathematiker Henri Poincare (1854 - 1912) aufgestellt hatte, ist so kompliziert, dass sie nicht nur für Laien unverständlich ist, sondern auch die Fähigkeiten vieler Experten übersteigt. Es geht dabei um die Frage, wie die Oberfläche von vierdimensionalen Körpern beschaffen ist. Das Thema hat weitreichende Bedeutung: Experten erhoffen sich davon Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Universums.

Mehrere Mathematiker hatten bereits geglaubt, den Nachweis erbracht zu haben, mussten aber später Fehler eingestehen. Perelman schloss sich daheim in St. Petersburg jahrelang ein, bis er 2002 und 2003 seine Rechnungen im Internet veröffentlichte. Anschließend erläuterte er seine Arbeiten an mehreren Universitäten in den USA.

Mathematik-"Nobelpreis" ebenfalls abgelehnt
Perelman sollte für seine Leistungen 2006 bereits die Fields-Medaille erhalten, die so etwas wie der Nobelpreis für Mathematik ist - doch auch diese Auszeichnung wies er zurück. "Wenn sich zeigt, dass meine Beweisführung stimmt, brauche ich keine weitere Anerkennung", hatte Perelman damals gesagt. Die Medaille sei für ihn völlig unbedeutend, auch Geld sei ihm egal.

Manuel de Leon, der Präsident des Internationalen Mathematikerkongresses, meinte über den bei der Preisverleihung durch Abwesenheit glänzenden Russen: "Perelman ist ein Genie. Er scheut Ruhm und Öffentlichkeit, er denkt an andere Dinge. Mich erinnert er an den Schachspieler Bobby Fischer."

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