01.07.2010 13:01 |

Begehbare Werke

Boden und Wände tauschen die Rollen bei Vernissage

Ungewöhnlich viele Menschen sind kürzlich in einem Stiegenhaus in Wieden Schlange gestanden. Anlass für den Auflauf war eine Vernissage der etwas anderen Art der Künstler Donhofer, Andrea Bauer, Eduard Diem und Editha Taferner in der Anwaltskanzlei von Dr. Wolfgang Grogger. Unter dem Motto "Kunst kennt kein Gesetz" mussten sogar Boden und Wand die Funktion für einige Stunden wechseln.

Dem zahlreich erschienen Publikum wurde ein regelrechtes "Kunsterlebnis" versprochen, doch gleich am Anfang fehlte einer der Protagonisten. Über einen Beamer erfuhr das Publikum schließlich warum: Donhofer schien die Zeit vergessen zu haben und über ein Video auf der Leinwand sah man den Künstler quer durch Wien zur Vernissage rasen.

Fußabdrücke erhöhen Preis der Werke
Bei der Ausstellung schien anschließend nicht nur die Grenze zwischen Gesetz und künstlerischer Freiheit zu verschwimmen, Boden und Wand tauschten die Rollen: Die Wände zierten Hunderte aufgehängte Schuhe, der Boden war dagegen mit Kunstwerken bedeckt. Und weil die Besucher nun einmal nicht die Wände hochgehen konnten, blieb ihnen gar nichts anderes übrig, als auf die Kunstwerke zu steigen und auf ihnen ihre Spuren zu hinterlassen. Das Konzept dahinter: Umso mehr Fußabdrücke ein Bild zieren, umso teurer wird es. Jeder Besucher erhöhte somit den Wert des Bildes.

Die anfängliche Scheu, Kunst zu betreten, war schnell abgelegt, schließlich gelangte man nur so in die anderen Räume der großzügigen Kanzlei. In der Bibliothek nahm Donhofer Gesetzesbücher auseinander (Bild links) und verstreute die ausgerissenen Seiten über den Boden. Gleich daneben bot ein Kopierer scheinbar die Möglichkeit, von ihm bemalte Buchseiten zu kopieren, um gleich darauf enttäuscht zu werden. Auf den Kopien war nämlich nur ein Schriftzug zu lesen: "Einen donhofer. kann man nicht kopieren."

Auch die anderen Künstler konnte man in Aktion erleben: Eduard Diem schmückte vor den Augen zahlreicher Zuschauer ein vollständig mit Papier ausgekleidetes Zimmer mit seinen Acrylzeichnungen. Vor dem Publikum verwandelte er beispielsweise ein Bett in einen Ferrari und gab dem Raum eine neue Bedeutung.

Editha Taferner ließ es indessen in einem anderen Büro so richtig krachen: Sie spielte "Domino Day" mit Köpfen und zerschlug mit einem Hammer von ihr gefertigte Tonköpfe um die "Kunstsplitter" anschließend zu verschenken. Einen Raum weiter lud DJ Karl Umgeher zur Disco-Destruction und verlieh der Veranstaltung damit Eventcharakter.

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