12.01.2020 12:50 |

„Oben ohne“-Vize

Zur Angelobung ohne Krawatte, zum Ball mit grüner

Grüne Krawatte! Egal, Krawatte! Vizekanzler Werner Kogler kam samt besagtem Accessoire zum Steirerball in die Hofburg und legte somit vor. Denn nach der ersten Woche der neuen Regierung war am Wochenende Tanzparkett statt Parlament angesagt. Auch für Bundeskanzler Sebastian Kurz, den das „Krone“-Adabei-Team beim Niederösterreichischen Bauernbundball im Austria Center neben Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner traf, bevor er Sonntagfrüh nach Brüssel reiste. Ein großes Thema blieb aber der „Oben ohne“-Vize, der mit seiner krawattenlosen Angelobung für erhitzte Gemüter sorgte.

Oben ohne war schon immer ein Aufreger, und die Regel gilt: „Je weniger Stoff, desto größer die Empörung.“ Ein ganz spezielles Stückerl Stoff fehlte am Tag der historischen grün-türkisen Angelobung beim ersten grünen Vizekanzler Werner Kogler. Und erhitzte damit nicht nur „Krone“-Postler Michael Jeannées Gemüt: „Ihr schlipsloser Auftritt ist zwar politisch ohne jede Bedeutung, aber eine wohlüberlegte Provokation allemal.“

Auch die „Krone“-Leserbriefe häuften sich und reichten von „Ja, das sind die Grünen - neuer Stil in der Regierung“ bis hin zu „Schlicht und einfach unhöflich“. „Stein des Anstoßes“ und „modischer Fauxpas“ war auch in vielen anderen Medien nachzulesen.

„Sich krawattenlos angeloben zu lassen, ist unlustig“
Auch Adi Weiss, Style-Experte und sonst für seine legeren Männer-Modetipps bekannt, fand den Vizekanzler-Auftritt unpassend: „Mehr Lässigkeit in der Politik finde ich gut, sich aber krawattenlos angeloben zu lassen, unlustig.“ Auch Koglers Eintreffen bei der Hofburg mit grüner Sonnenbrille kritisiert Weiss: „Obwohl sich sein Stil zum Positiven entwickelt hat, ist so etwas nur im Wahlkampf ein witziges Accessoire, hat beim offiziellen Anlass nichts verloren!“

Wird Kogler bald Etiketten-Gehorsam zeigen?
Ebenso wie die Stil-Expertin Elisabeth Motsch (siehe Interview unten) rät er zu einer Stilberatung sowie zu einem Haarschnitt: „Eine Veränderung kann ein Zeichen für einen neuen Lebensabschnitt sein.“ Ob der Vizekanzler seinem Stil treu bleibt oder in einigen Jahren schon wie die deutsche „Grünen-Legende“ Joschka Fischer Etiketten-Gehorsam zeigt, wird die Zeit weisen (Fischer hatte sich als erster grüner Minister in Turnschuhen angeloben lassen, Anm.)

Geht es nach dem ehemaligen Kontrahenten und Altbürgermeister seiner steirischen Heimatgemeinde St. Johann in der Haide, Otto Pußwald (87), ist Veränderung möglich: „Der Kogler Werner ist handsamer worden, nicht mehr so angriffig - und angezogen ist er auch schöner.“

Interview: „Er sollte seinen Stil hinterfragen!“
Stil- und Image-Expertin Elisabeth Motsch (57) aus Michaelbeuern in Salzburg über Werner Koglers Outfit-Wahl.

„Krone“: Vizekanzler Werner Kogler erschien zu seiner Angelobung ohne Krawatte - wie interpretiert das eine Stil-Expertin?
Elisabeth Motsch: Ich habe diesen Auftritt beobachtet. Zwei Herzen schlagen dazu in meiner Brust. Einerseits war sein Outfit nicht staatstragend und wurde seiner neuen Rolle nicht gerecht. Andererseits bricht auch in der Politik eine neue Zeit an, und ein Werner Kogler hätte mit dem Tragen einer Krawatte vermutlich das Gefühl gehabt, nicht authentisch zu wirken.

Hat ein Vizekanzler auf nationalem und internationalem Parkett überhaupt eine Alternative zum Anzug?
Das internationale Parkett sowie staatstragende Anlässe verlangen einen Anzug und eine Krawatte. Ich würde ihm dafür einen Anzug mit Struktur im Stoff und als Alternative zur Krawatte ein fluffiges Einstecktuch - so fluffig wie seine Frisur - empfehlen.

Und eine Stilberatung?
In seiner neuen Funktion sollte er auf jeden Fall seinen Stil hinterfragen und Outfits finden, die sowohl seine neue Rolle als auch den unangepassten, grünen Spirit vereinen. 

Sabine Kronberger, Kronen Zeitung/krone.at

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