07.01.2020 09:53 |

Kollektive Freude

Fasnacht: Start des Ausnahmezustandes

Alle 20 Jahre treffen die großen Fasnachten von Telfs und Imst, wie heuer, aufeinander. In den Hochburgen war der gestrige „Kinigtag“ der ersehnte Start des Ausnahmezustandes.

Dreikönigstag, der letzte ruhige Tag in den Schulen nach den Ferien – nicht in Imst! Im Riesensaal der Neuen Mittelschule Unterstadt versammelten sie sich gestern, die Imster Fasnachtler. Nur Männer. Der Stadtsaal wäre zu klein für die große Anzahl an begeisterten, fast fanatischen Fasnachtlern der Bezirkshauptstadt. Vier lange Jahre der Abstinenz haben das Verlangen, wieder „in d‘ Fasnacht zu gian“, angestaut. Und am 9. Feber ist es so weit: das große Schemenlaufen.

Doch traditionell musste die Vollversammlung beschließen, ob das Schemenlaufen überhaupt stattfindet. Und so stellte Obmann Uli Gstrein die berühmte Frage: „Soll mar huire in d‘ Fasnacht gia?“ Das lauteste Ja-Wort im Oberland der geschätzten Tausendschaft bestätigte einstimmig (allerdings ohne Gegenprobe) den großen Tag der Imster Fasnacht am 9. Februar. Somit war spätestens gestern der Start des Ausnahmezustandes in Imst. Aber auch die Frauen bekommen es „g‘neatig“, wenn sie in filigraner Handarbeit die Aufputze fertigen oder aufrichten. Und sie werden beten, dass der Himmel nicht wieder, wie vor vier Jahren, die Schleusen öffnet.

Ausgegrabener „Naz“ lässt die Telfer jubeln
Das ohrenbetäubende „Ja“ aus Imst war wohl bis Telfs zu hören, denn dort ging auch jenes Ritual über die Freilichtbühne, das das Schleicherlaufen erst ermöglicht: das Naz-Ausgraben. Die rauchende, saufende und „speibende“ Puppe aus dem Jahr 1860 ist das Symbol der Telfer Fasnacht und ruhte fünf Jahre lang in einem Sarg. Wo aber hatte man sie eingegraben?

Die Laninger zogen gestern nächtens vom Unterdorf ins Oberdorf, um ihr „liebstes Kind“ zu suchen. Da, ein Schotterhaufen. Sie beginnen nun mit der „geeigneten“ Gerätschaft verzweifelt zu graben. Doch vorerst kein Naz, sondern eine noch unveröffentlichte Ibiza-Videokasette von H.C. Allerdings von „ihrem“ H.C., Härting Chistian. Nun stoßen sie auf ihren Naz, der gleich triumpfierend in die Höhe gehalten wird. Jetzt begrüßen die Fasnachtsgruppen ihren Naz mit einem symbolischen Geschenk. Spätestens beim Singen des Laningerliedes sind auch die Telfer im Fasnachtshimmel und bereit für das Schleicherlaufen am 2. Februar. Bis dorthin wird es allerdings eine „harte Zeit“, sind doch ab heute die Wägen geöffnet.

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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