16.12.2019 11:13 |

Forscher an Uni Graz

Steirer machen Medikamente „grüner“ und günstiger

Bis zu 100 Kilogramm Müll fallen bei der Herstellung von nur einem Kilo an Arzneien an. Dass es bald ein Rezept für ein weit ressourcenschonendere Verfahren gibt, ist drei engagierten Forschern der Uni Graz zu verdanken.

Warum sind Medikamente oft so teuer? „Weil einfach unzählige Schritte notwendig sind, um ein Medikament zu produzieren“, erläutert Wolfgang Kroutil, 47, bei einem Streifzug durch „sein“ Chemie-Institut an der Universität Graz.

Welche Auswirkungen der große Aufwand konkret für die Pharmaindustrie bedeutet? „Einen hohen Energieeinsatz und ein enormes Müllaufkommen. Die Kosten explodieren auch deshalb, weil viele chemischen Reaktionen nur unter extremen Temperaturen möglich sind. Jene, die im Minusbereich liegen, gehen besonders ins Geld“, erläutert der Forscher, der sich mittlerweile seinen weißen Laborkittel angezogen hat.

Raggae-Musik und Hightech
Die Adjustierung ist übrigens das Einzige, was dem Laienbild von der „typischen“ Arbeit eines Chemikers entspricht: In den Labors sieht man statt brodelnder Flüssigkeiten hochtechnisierte Apparaturen, die Geräuschkulisse entsteht weder durch ein Zischen oder Knallen, vielmehr sorgt Raggae-Musik für die Stimmung im zweiten Stock.

Es geht um alles
Es wird viel gelacht. Vielleicht auch deshalb, weil es für die Wissenschafter hier um alles geht: „Kommen wir mit unserer Arbeit ans Ziel, bedeutet dies eine starke Verbesserung für den Umweltschutz“, sagt Christoph Winkler, 34. Können die Herstellungskosten für Arzneien gedrosselt werden, besteht darüber hinaus die Chance, das Ungleichgewicht der medizinischen Versorgung in den Entwicklungsländern auszugleichen.

Grazer weltweit Pioniere in Biokatalyseforschung
Es ist ein Dreierteam - Wolfgang Kroutil, Christoph Winkler und Stefan Simic -, das in vereinigter Anstrengung von Graz aus die Chemie grüner machen will: „Wir forschen an neuen Arten von Herstellungsverfahren, um chemische Produktionsprozesse ressourcenschonender zu gestalten. Dabei machen wir uns die so genannte Biokatalyse zunutze“, so das Trio.

Das Konzept der Biokatalyse gehört zu den Spezialgebieten der steirischen Forscher. Enzyme aus der Natur fungieren dabei als Katalysatoren, die die chemischen Produktionsprozesse extrem vereinfachen und beschleunigen. „Teure Geräte oder Chemikalien benötigen wir nicht, giftige Abfallprodukte bleiben ebenso aus“, nennt Kroutil nur ein paar der unzähligen Vorteile des noch jungen Ansatzes in der organischen Chemie.

Weniger Kosten für Betriebe
Erste konkrete Erfolge gibt es bereits: So berichtete etwa ein Pharmakonzern, dass es ihm gelang, seine Produktionsschritte bei einem Medikament von 15 chemischen Reaktionen auf drei mit Biokatalyse zu reduzieren. „Das bedeutet für den Betrieb nicht nur eine bessere Ökobilanz, sondern auch weniger Kosten - und damit werden nun viele in der Branche hellhörig“, weiß Christoph Winkler.

Steirer sind Teil von Forschungsprojekt
Dass man nun auch noch das internationale Forschungsprojekt „Classy“ an Land ziehen konnte, bei dem es genau darum geht, neue Wege für umweltfreundliche Chemie-Prozesse zu finden, lässt die Grazer jetzt noch beschwingter an die Arbeit gehen: „Im besten Fall reden sogar noch unsere Enkelkinder von unseren Erfolgen“, lacht Winkler.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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