12.12.2019 12:52 |

Hartnäckiger Reporter

„Milchmann“ Johnson flüchtet in einen Kühlschrank

Auch am letzten Tag vor der Parlamentswahl in Großbritannien sind die beiden Spitzenkandidaten der großen Parteien, Boris Johnson und Jeremy Corbyn, noch einmal kreuz und quer durch das Land gereist, um beim Volk um Unterstützung zu werben. Premier Johnson überraschte in der Früh Wähler in Nordengland als Milchmann. Doch die Inszenierung lief nicht ganz wunschgemäß. Ein hartnäckiger Reporter der TV-Show „Good Morning Britain“ wurde von Johnsons Begleitern abgedrängt und beschimpft. Als der TV-Mitarbeiter nicht nachließ, flüchtete der Premier in einen Kühlraum, von wo er die Kisten mit Milch und Orangensaft geholt hatte.

Der Fernsehreporter wollte lediglich „ein paar Worte“, „nur fünf Minuten“. „Wir sind live auf Sendung, wir können das gerne schnell machen“, erklärte Jonathan Swain vom Sender ITV. Doch Johnson vertröstete den Journalisten damit, dass er „noch einen Augenblick“ benötigte. Mit diesen Worten verschwand der konservative Spitzenkandidat in den Kühlraum, um eine neue Milchkiste zu holen und in den Transporter des Unternehmens Modern Milkman zu räumen.

Auf die erneute Anfrage des Fernsehreporters antwortete Johnson: „Ich bin einer Sekunde bei Ihnen.“ Doch aus der Sekunde wurden Minuten in dem Kühlraum - und aus dem Interview überhaupt nichts mehr. Das Moderatorenteam bei „Good Morning Britain“ konnte die Vorgänge in Yorkshire auch nicht mehr ganz ernst nehmen. Man hörte Gelächter. Jemand meinte: „Das ist ein Bunker.“

In den sozialen Medien war die Flucht des Premiers ein willkommener Anlass, Scherze über ihn zu machen (siehe Tweets unten).

Parlamentswahl ist auch Abstimmung über Brexit
Die Briten wählen am Donnerstag ein neues Parlament und können damit auch Einfluss auf den geplanten Brexit nehmen. Die Wahllokale sind seit 8 Uhr (MEZ) und bis 23 Uhr (MEZ) geöffnet. Bereits am Vormittag war der Wählerandrang in den Wahllokalen enorm. Unmittelbar danach wird eine Prognose im Auftrag der Fernsehsender BBC, ITV und Sky News veröffentlicht. Bei vier von fünf Wahlen seit der Jahrtausendwende lagen die Prognosen grundsätzlich richtig.

Nach jüngsten Umfragen ist ein Sieg der Konservativen von Premier Johnson zwar weiter wahrscheinlich, ganz sicher können sie sich einer Mehrheit aber nicht sein. Die oppositionelle Labour Party von Corbyn konnte den Abstand auf die Tories zuletzt verringern. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass es zu einem „hung parliament“ kommt. Damit ist eine Sitzverteilung gemeint, in der keine der beiden großen Parteien aus eigener Kraft eine Regierung bilden kann.

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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