04.12.2019 19:00 |

Verdampft langsam

Erstmals Riesenplanet um Weißen Zwerg gefunden

Mithilfe des Very Large Telescope (kurz VLT) am Paranal-Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile konnten Forscher erstmals einen Riesenplaneten um einen sogenannten Weißen Zwerg - den Überrest eines sonnenähnlichen Sterns - gefunden. Der Neptun-ähnliche Planet umkreist den Weißen Zwerg mit dem Katalognamen WDJ0914+1914 in geringer Entfernung und verdampft dabei langsam.

„Es war eine dieser zufälligen Entdeckungen“, sagt Boris Gänsicke von der University of Warwick in Großbritannien. Man habe runde 7000 Weiße Zwerge inspiziert, die im Rahmen des Sloan Digital Sky Survey beobachtet wurden und dabei herausgefunden, dass einer davon einzigartig ist.

Mit Very Large Telescope untersucht
Um eine bessere Vorstellung der Eigenschaften von WDJ0914+1914 zu bekommen, analysierte man den Weißen Zwerg mit einem speziellen Instrument des Very Large Telescope. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, eine Scheibe aus Gas, die auf WDJ0914+1914 einfällt und chemische Elemente enthält, die nicht vom Zwergstern selbst kommen.

„Es dauerte einige Wochen, bis wir herausfanden, dass der einzige Weg, eine solche Scheibe zu erzeugen, das Verdampfen eines riesigen Planeten ist“, wird einer der Forscher auf der ESO-Website zitiert. Was man um WDJ0914+1914 herum sehe, sei der erste verdampfende Planet, der einen Weißen Zwerg umkreist.

Zwergstern ist rund 28.000 Grad heiß
Der Weiße Zwerg im Sternbild Zwerg ist demnach klein und mit rund 28.000 Grad Celsius (fünfmal so hoch wie die Temperatur der Sonne, Anm.) extrem heiß. Im Gegensatz dazu ist der Planet eisig und groß - und zwar mindestens doppelt so groß wie sein zentralgestirn, berichten die Astronomen. Da er ihn äußerst eng umkreist und ihn in nur zehn Tagen umrundet, blasen die hochenergetischen Photonen des Sterns allmählich die Atmosphäre des Exoplaneten davon.

Der größte Teil des Gases entweicht, ein Teil davon wird aber in eine Scheibe gezogen, die mit einer Rate von 3000 Tonnen pro Sekunde in den Stern strömt. Es sei diese Scheibe, die den sonst verborgenen neptunähnlichen Planeten sichtbar mache, berichten die Forscher auf der Website der ESO.

Endstation von kleinen sonnenähnlichen Sternen
Weiße Zwerge bilden das Endstadium der Existenz kleinerer, sonnenähnlicher Sterne. Während sich große Sterne etwa mit dem Zehnfachen der Sonnenmasse an ihrem Lebensende mit einer eindrucksvollen Supernova-Explosion verabschieden, bleiben kleinere Sterne von einem solch dramatischen Schicksal verschont: Wenn sonnenähnliche Sterne das Ende ihres Lebens erreicht haben, brauchen sie ihren letzten Brennstoff auf, blähen sich zu einem Roten Riesen auf und schleudern ihre äußeren Schichten ins All. Übrig bleibt nur der sehr dichte Kern des früheren Sterns - der Weiße Zwerg.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen