02.12.2019 11:19 |

Jäger schlägt Alarm:

„Wollen nicht mehr zusehen, wie Tiere verhungern“

Die Bilder von im Schnee verschütteten oder hungernden Wildtieren im vergangenen Winter haben viele Österreicher empört. Wird es heuer wieder so dramatisch? Zwei obersteirische Jäger wollen jedenfalls „nicht länger zusehen müssen, wie Tiere auf unserem eigenen Grund verhungern oder so elendiglich sterben“.

Die Fotos sind grässlich: „Der offenbar hungernde Hirsch hat verzweifelt versucht, zwischen den Zaunsprießen zum Heu in der Rehfütterung zu gelangen“, beschreibt Jäger Josef Fuchsluger. „Dabei ist er mit seinem Geweih im Zaun hängen geblieben.“ Sein Kampf ums Überleben und sich zu befreien endete mit massiven Verletzungen - und dem Tod. „Wir wollen nicht länger zusehen müssen, wie Tiere auf unserem eigenen Grund verhungern oder so elendiglich sterben“, sagen er und sein Sohn.

Weitere Hirschkadaver gefunden
Hintergrund: „Eine Hirschfütterung, die hier seit Jahrzehnten stattgefunden hat, wurde aufgelassen und verlegt.“ So mancher Hirsch hätte diese wohl nicht gefunden oder angenommen und in der Not bei der verbleibenden Rehfütterung - die laut Gesetz so abgeriegelt werden muss, dass Rotwild bloß nicht dazukommt - Futter gesucht. Und zumindest einer, „vielleicht auch drei, da noch weitere Hirschkadaver in der Nähe gefunden wurden“, bezahlte dies im Vorjahr mit dem Tod.

Josef Fuchsluger: „Wir haben die Forstbehörde auf diese Problematik hingewiesen, um Alternativen und Lösungen gebeten. Das Einzige, was konkret herausgekommen ist, ist eine Strafe für uns. Weil wir die Rehfütterung nicht ordentlich vor den Hirschen abgeschirmt haben - und das noch bei meterhohem Schnee.“

Im vergangenen Winter fiel ja meterhoher Schnee in Teilen des Landes. Tausende Wildtiere starben. Schon jetzt sagen uns viele „Krone“-Leser - darunter auch Jäger, die sich ja auskennen -, dass sie solche Szenarien wie im letzten Winter nicht mehr haben wollen. Und sie fragen berechtigt, ob und was sich geändert hat.

„Ethisch nachvollziehbar“
„Wenn wir Wildtieren die Wohnung und das Futter wegnehmen, und das tun wir heutzutage, müssen wir sie selbstverständlich füttern“, bleibt Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof bei seiner Vorbildhaltung. „Das ist ja wohl ethisch wie logisch nachvollziehbar.“ Wildtiere seinen stark gewohnheitsorientiert: „Sie kommen immer wieder dorthin, wo sie seit Jahren Futter finden.“

Wenn eine Futterstelle also aufgelassen wird, kann es sein, dass ein Muttertier sein Junges immer und immer wieder hinführt, in der Hoffnung auf Futter. Oft findet man im Umkreis von aufgelassenen Stätten, wie Jäger uns sagen, die Überreste verhungerter Tiere.

Bundesforste bleiben bei ihrer Haltung
Die Bundesforste haben trotz schärfster Kritik im letzten Winter ihre für viele beinharte Taktik nicht maßgeblich verändert. Die Futterstände sind von der Anzahl her in etwa gleichgeblieben. Für „extreme Witterungsbedingungen“ (die allerdings nicht näher definiert sind) seien Notfütterungskonzepte entwickelt worden.

Sie betonen: „Unter normalen Bedingungen können Wildtiere gut ohne menschliches Zutun durch den Winter kommen. Voraussetzung ist nicht nur Ungestörtheit (jede Beunruhigung kann lebensbedrohlich sein), sondern auch, dass das Wild in der Vegetationszeit ausreichend Fettreserven anlegen kann.“

Gerade ersteres Argument führt sich aber selbst ad absurdum: Durch Lifte, Pisten, Wanderer, Skitourengeher, dadurch, dass Wild durch Bauten etc. in immer höhere Lagen gedrängt wird, ist Ungestörtheit heute oft nur ein frommer Wunsch

Gemeinschaftliche Großkonzepte
Allerdings gibt es ein großes Bemühen. Mayr-Melnhof: „Wir arbeiten an gemeinschaftlichen Gesamtkonzepten für größere Flächen, wo man Ruhezonen für Wildtiere schafft.“ Diese sollen Touristen dann freiwillig meiden.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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