30.11.2019 15:30 |

Krippenbauschule

Adventstimmung hat in der kleinsten Hütte Platz

Wenn am Sonntag die erste Kerze am Adventkranz entzündet wird, entfacht auch die Sehnsucht nach Weihnachten. Die Geschichte dazu wird seit Jahrhunderten in Krippen erzählt. Tirol ist reich an diesem Kulturgut. Besuch beim Innsbrucker Krippenverein, in dem man auf 110 Jahre Tradition schaut und trotzdem ganz jung ist.

„Ich hab so was im Internet gesehen. Das hat mir sehr gut gefallen“. Tobias kramt in seinem Gedächtnis und erzählt dann, wie er als 7-Jähriger zum Häuslbauer wurde. Na ja, eigentlich baut Tobias kein Haus, sondern einen Stall. Nicht irgendeinen Stall, sondern jenen, in dem das Jesuskind in einer Krippe lag.

Die Krippengeschichte beginnt im Jahr 1909
Tobias, Ayleen, Manuel und Julian gehören mit ihren sieben Jahren zu den jüngsten Krippenbauern Tirols. Das Quartett steht im Keller der Dreiheiligen-Schule in der Innsbrucker Jahnstraße 5-7. Hier hat der Innsbrucker Krippenverein sein Quartier. Heuer wird Jubiläum gefeiert. „110 Jahre. Da gehören wir schon zu den traditionsreichsten Vereinen des Landes“, verkündet Obmann Markus Riedl nicht ohne Stolz.

Die Geschichte beginnt 1909. Mehrere Krippenbesitzer hatten sich bei Pfarrer Johann Mößl aus dem Stift Wilten zu einem Besuch angesagt. Während der Pfarrer wartete, schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf: „Wie wäre es, wenn man einen Krippeleverein gründen würde? Wie viele Krippelenarren würden wohl zusammen kommen?“ Viele, wie sich herausstellen sollte. Neben Innsbruck gründeten Götzens, Oberperfuss, Fulpmes, Zirl und Telfs sofort Vereine. Gleichzeitig entstand der Landesverband. Auch dieser feiert heuer Jubiläum. Der älteste Verein ist aber jener in Wenns (aus 1860). Er gilt auch als der älteste der Welt.

Neue Kunstwerke mit alten Traditionen
Wie man früher Krippen baute, kann sich Ayleen nicht so recht vorstellen. „Vielleicht so wie heute?“, meint die Schülerin – und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Trotz neuer Techniken und einiger moderner Materialien geht es den Krippenfreunden vor allem um die Wahrung der Traditionen. „Früher haben wir mit Knochenleim gearbeitet, heute verwenden wir Heißkleber und Kaltleim“, zieht Helmut Dietl einen Vergleich. Als Altgedienter geht Dietl den Kindern gerne zur Hand. Und er formuliert eine Maxime, die viele Krippenbauer vereint: „Für mich ist wichtig, dass die traditionelle Optik erhalten bleibt und man bei den Materialien aus der Natur schöpft.“ Dietl ist das, was man einen typischen Krippenfreund nennt. Von orientalisch bis heimatlich, von mini bis maxi – es gibt fast keine Krippenart, die Dietl nicht schon gebaut hätte.

Vielfalt der Krippen in fast 40 Ausstellungen
Wie viele Krippen es wohl in Tirol gibt? „Sicher ganz viele“, sagt Manuel und zieht die Augenbrauen hoch. Der Bub ist gerade dabei, Eiszapfen aus Glas auf seiner Schneekrippe zu fixieren. Julian verpasst seiner Heimatkrippe noch die richtige Patina. Dann kann auch er sich zufrieden zurücklehnen. Die Schwammkrippe von Tobias ist ebenfalls bereit für den Einzug der Heiligen Familie.

Wie viele Krippen es wohl in Tirol gibt? Eine spannende Frage, deren Dimension in der Adventzeit in zahlreichen Krippenausstellungen sichtbar wird. Fast 40 Termine hat der Landesverband auf seiner Homepage www.krippe-tirol.at aufgelistet. In vielen Ausstellungen werden neben historischen Beispielen jene Neuheiten präsentiert, die bei den Krippenbaukursen im heurigen Jahr entstanden sind. Bei aktuell 87 Ortsgruppen und insgesamt 6200 Mitgliedern lässt sich erahnen, wie viele das sind.

Auch der Innsbrucker Krippenverein mit seinen 170 Mitgliedern lädt am ersten Adventwochenende zu einer Ausstellung in die Krippenbauschule. Zu sehen sind auch die Beispiele von Tobias, Ayleen, Manuel und Julian. Die jungen Baumeister haben in den vergangenen Wochen am Wunder Weihnachten gebastelt und erfahren, dass Adventstimmung in der kleinsten Hütte Platz hat.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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